Ohne ihre Orden, Fahnen und Uniformen fühlen sie sich offenbar nicht wohl: Frühere Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) und des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ wollen am 9. Mai am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow in ihrer alten Dienstkleidung auftreten. Anlass ist der Tag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945. Nach Informationen der Berliner Zeitung plant der Traditionsverband Nationale Volksarmee mit Sitz in Berlin am Vormittag des 9. Mai eine Kranzniederlegung in historischen Uniformen. Erwartet werden etwa 50 Personen. Die Polizei prüft derzeit, ob die Veranstaltung rechtmäßig ist, ein Justiziar der Polizei kontrolliert die Anmeldung der Traditionalisten. Das Tragen von DDR-Uniformen ist nicht verboten.

Große Empörung im Vorjahr

Im vergangenen Jahr hat ein ähnlicher Aufmarsch ehemaliger DDR-Offiziere mit Fahnen, Orden und Gewehren für große Empörung gesorgt. Am 9. Mai 2013, es war Himmelfahrt, waren frühere DDR-Offiziere im Stechschritt und in kompletter Paradeuniform am sowjetischen Ehrenmal in Treptow aufmarschiert. Sie trugen Säbel, Orden und Gewehre. Opferverbände und Politiker reagierten entsetzt. Der Bundesvorsitzende des Dachverbandes der SED-Opfer, Rainer Wagner, sagte, der Aufmarsch sei eine schallende Ohrfeige für alle Opfer des SED-Regimes und zeige in aller Deutlichkeit, dass die Politik endlich handeln müsse. Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, forderte als Konsequenz aus dem Vorfall, das Tragen von Uniformen und Abzeichen der DDR in der Öffentlichkeit genauso zu verbieten wie das von Symbolen der Nazi-Diktatur. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens durchsuchte die Polizei im August vergangenen Jahres 14 Wohnungen von Mitgliedern des Traditionsverbandes. Sie beschlagnahmte Uniformen und Waffen.

In diesem Jahr werden zahlreiche Antifaschisten am 8. und 9. Mai den Tag der Befreiung am Treptower Ehrenmal feiern, allerdings ohne DDR-Uniformen. „Ästhetisch und politisch haben wir damit nichts zu tun“, sagt Markus Tervooren, Geschäftsführer des Vereins der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Zum Programm des VVN gehören Gespräche mit Zeitzeugen, Musik, Führungen zum Sowjetischen Ehrenmal, Russische Küche sowie Grillfleisch und Wodka.

Auch einige Mitglieder des Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und der DDR-Grenztruppen werden zum Tag der Befreiung am Ehrenmal ein Blumengebinde ablegen – in zivil. „Heutzutage ist die DDR-Uniform keine Uniform mehr, sondern nur noch ein Kostüm“, sagt Verbandsvorstand Theodor Hoffmann der Berliner Zeitung. Der 79-Jährige war von November 1989 bis April 1990 letzter Minister für Nationale Verteidigung der DDR, später arbeitete er unter Führung des Pfarrers Rainer Eppelmann im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung als Chef der Armee.

Die Uniformauftritte seiner früheren NVA-Genossen lehnt der Ex-Admiral Hoffmann nicht ab. „Ich distanziere mich nicht davon, ich akzeptiere das“, sagt er.