Wo einst in Plattenbauten tausende Menschen wohnten, erobert sich in Schwedt/Oder (Uckermark) die Natur das Terrain zurück. Aus Setzlingen werden stramme Kiefern, ein kleiner Wald entsteht. „Bald wachsen hier Pilze“, ist sich Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) sicher.

Brandenburg trennt sich nach und nach von ungeliebten Plattenbauten. Gestartet an den Stadträndern geht es langsam in die Zentren vor. Zunächst waren Städte mit großen Neubaugebieten wie Cottbus, Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt oder Schwedt/Oder an der Reihe. Jetzt können sich auch die kleineren Städte von ungeliebten „Platten“ trennen.

Von 2002 bis 2013 wurden nach Angaben des Infrastrukturministeriums für den Abriss von Plattenbauten rund 210 Millionen Euro ausgegeben - getragen je zur Hälfte von Bund und Land. Abgerissen - oder „zurückgebaut“ wie es im Amtsdeutsch heißt - wurden in den vergangenen 15 Jahren knapp 61.000 Neubauwohnungen im Land.

Sie wurden vom Markt genommen, weil sich kein Mieter mehr fand, wie der Abteilungsleiter für Stadtentwicklung im Infrastrukturministerium, Jürgen Schweinberger, sagt. Einerseits ist der DDR-Standard in der Platte wenig attraktiv, andererseits fehlen Interessenten, die eine Wohnung suchen.

Der größte Andrang für den Abriss ist den Angaben zufolge jedoch vorbei. Jährlich werden noch Anträge für rund 2000 bis 3000 Wohnungen gestellt. In den ersten Jahren waren es etwa doppelt so viele. Bis 2020 sollen noch rund 35.000 Wohnungen vom Markt genommen werden, rund 130 Millionen Euro stehen dafür bereit.

Brandenburg vor einer Leerstandswelle

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) sieht das Land vor einer zweiten Leerstandswelle. Bis 2020 könnten rund 100.000 Wohnungen dauerhaft leer stehen, 30.000 mehr als heute.
Nachdem zunächst vor allem in größeren Städten Plattenbauten abgerissen wurden, sind die Probleme in den ländlich geprägten Regionen gestiegen. Für den Rückbau in Orten mit bis zu 20.000 Einwohnern stellt das Infrastrukturministerium von 2014 bis 2018 einmalig rund 11 Millionen Euro bereit. Der Rückbau von einem Quadratmeter kostet etwa 70 Euro.