Im Ostteil Deutschlands waren Frauen bei der 1949 gegründeten Volkspolizei keine Seltenheit: Sie regelten den Verkehr, waren im Pass- und Meldewesen beschäftigt, fuhren aber auch auf Funkstreifenwagen mit. „Sie waren von Anfang an uniformiert und auch bewaffnet“, sagt Wolfgang Schulte von der Forschungsstelle Polizeigeschichte der Deutschen Hochschule der Polizei.

Stellen unbesetzt

Mit Frauen bei der Polizei habe die DDR zeigen wollen: Seht her, wir sind der bessere und modernere Staat. Unsere Frauen sind gleichberechtigt. Das stimmte allerdings nur bedingt: Denn in leitende Positionen haben es Frauen in der Volkspolizei nie geschafft, erzählt der promovierte Historiker Schulte. Das liege daran, dass seit dem Volksaufstand vom Juni 1953 die Verantwortlichen an der Spitze der Volkspolizei zugleich auch militärische Führungskräfte sein mussten, sagt er. Zwar gab es Frauen, die in der Nationalen Volksarmee dienten, allerdings nicht in Spitzenpositionen.

Insgesamt litt die Volkspolizei nach Schultes Angaben immer wieder unter Personalmangel. Und das, obwohl der Beruf „finanziell durchaus reizvoll war“, sagt der Historiker. Polizisten hätten 300 bis 400 DDR-Mark mehr verdient als Facharbeiter. Trotzdem seien Stellen unbesetzt geblieben.

Wenig Übernahmen nach 1990

Und wie viele Frauen waren bei der Volkspolizei? Die Frauenquote sei bis Ende der 1950er-Jahre auf sechs Prozent gesunken, sagt der Historiker. Sie stieg dann langsam wieder an, auf knapp zehn Prozent in den 1970er-Jahren. Was möglicherweise auch daran lag, dass Frauen und Männer in der DDR nur offiziell gleichberechtigt waren. „Aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gab es meist nur in der Theorie. Die Männer überließen Haushalt und die Erziehung der Kinder weiterhin den Frauen, die durch Beruf und Familie doppelt belastet waren“, sagt Schulte. Da halfen auch die Kindertagesstätten, die die Polizistinnen entlasten sollten, nur bedingt.

Nach der Wende wurden nur wenige Schutzpolizistinnen aus der DDR in den gesamtdeutschen Polizeiapparat übernommen. Das lag vor allem daran, dass das Pass- und Meldewesen, bei dem viele Frauen arbeiteten, keine polizeiliche Aufgabe mehr war.