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Nach der um Monate verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg bietet der Airport Leipzig/Halle seine Unterstützung an. "Wir haben bereits in ersten Vorgesprächen Fluglinien und Reiseveranstalter über diese Option eines Bypasses informiert", sagte der Chef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp. Konkret bringt sich Leipzig als Ausweich-Airport für Berlin-Tegel ins Spiel.

200 zusätzliche Flüge pro Woche

Berlin-Tegel sei derzeit schon überlastet, müsse wegen der verschobenen Eröffnung des neuen Flughafens aber zusätzliche Flüge aufnehmen. Allein Air Berlin und Lufthansa wollten von Juni an pro Woche rund 200 zusätzliche Flüge in Berlin-Tegel landen und starten lassen. Bis zur jetzt für den 17. März geplanten Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens sollen der bisherige Flughafen Schönefeld und Tegel den Luftverkehr abwickeln.

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Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn habe bereits erklärt, in Tegel sei das geplante Flugprogramm mit Langstreckenzielen, die auch über den Winter angesteuert werden sollen, kaum zu realisieren. Auch Experten sind der Meinung, der Flughafen Tegel habe bereits jetzt die Grenzen der Auslastung erreicht.

Ausweitung der Flugzeiten

Doch es gibt auch Gegner einer Entlastung Tegels durch andere Flughäfen. Aus Sicht des Hauptgeschäftsführers des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, ist das Ausweichen auf andere Flughäfen im Umkreis von Berlin aus logistischen Gründen nicht sinnvoll. "Sie können nicht einen Teil der Zubringerflugzeuge in Leipzig und einen anderen Teil in Tegel landen lassen, wenn Sie mit den Passagieren eine größere Maschine befüllen wollen, die dann weiterfliegt." Das sei nur an einem Standort machbar.

Er fordert eine Ausweitung der Flugzeiten in Tegel um je eine halbe Stunde morgens und abends. Nur so könne es einen stabilen Flugplan geben, der die zusätzlich für den neuen Airport geplanten Flüge aufnimmt, sagte Beisel. Zugleich warb er um Verständnis bei den Anwohnern. Er bat sie, die "Zähne in der Übergangszeit noch einmal zusammenzubeißen, um den Luftverkehrsstandort Deutschland zu sichern".

In der Übergangszeit bis März 2013 müsse es möglich sein, die zusätzlichen Flüge in Tegel starten zu lassen. Wenn Berlin seine gute Positionierung nicht verlieren wolle, müsse man "hier also auch mal umso mehr zugeben. Das ist dann die halbe Stunde am Morgen und die halbe Stunde am Abend", sagte Beisel.

Flugverbot von 23.00 bis 6.00 Uhr

In Tegel gilt ein Flugverbot von 23.00 bis 6.00 Uhr. Für die Genehmigung von Flügen außerhalb dieser Zeit ist die Obere Luftfahrtbehörde zuständig. Lufthansa und Air Berlin haben dort bereits entsprechende Anträge eingereicht. Ob und wann mit einer Genehmigung zu rechnen ist, konnte die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, Petra Rohland, noch nicht sagen. Es müsse unter anderem geprüft werden, wie groß die Zahl der Anträge insgesamt sein wird und für welchen Zeitraum die Genehmigungen erteilt werden sollen.

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Flughafenchef Rainer Schwarz hatte am Freitag gesagt, für einige Flüge müsse Tegel möglicherweise je eine halbe Stunde früher öffnen und später schließen. Wie viele Flüge zusätzlich ab Tegel starten sollen, könne auch er noch nicht sagen, erklärte Beisel. Erst in den kommenden Tagen werde der Flugplankoordinator für Deutschland die Zahlen bekommen und die Flugpläne für Tegel und Schönefeld neu erstellen. "Wir wissen, dass die Lufthansa eine große Ausweitung ihres Programms plant. Das sind allein über 600 Flüge in der Woche." Air Berlin wolle den neuen Flughafen als Drehkreuz nutzen. Diese beiden Fluggesellschaften müsse man jetzt weiter in Tegel unterbekommen. "Das ist eine planerische Aufgabe, die wird gelingen", sagte Beisel.

Optimistisch zeigte er sich auch mit Blick auf die Abfertigung am Boden: "Auch da hat Tegel die letzten Jahren geübt." Air Berlin habe dort ja schon ein kleines Drehkreuz mit geringem, aber wachsendem Anteil an Umsteigern aufgebaut. "Die Leute in Tegel sind es gewohnt, mit Notlösungen und Provisorien zu arbeiten. Tegel wird auch diese Übergangszeit packen."

Lockerung des Nachtflugverbotes

Für eine Lockerung des Nachtflugverbotes am Flughafen Tegel hat sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin indirekt ausgesprochen. Insbesondere das Thema Betriebszeiten müsse nochmals überdacht werden, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. Alle Beteiligten sollten nun möglichst kurzfristig pragmatische Lösungen für die Übergangszeit entwickeln. "In Tegel sehen wir schon heute, dass die Grenzen der Auslastung erreicht sind", sagte Schweitzer. Der Flughafen Schönefeld habe dagegen noch ungenutzte Kapazitäten.

Verschiebung der Eröffnung für mehr Lärmschutz nutzen

Die von dem neuen Hauptstadtflughafen BER betroffenen Landkreise fordern derweil, die Verschiebung der Eröffnung für die Versorgung der Anwohner mit mehr Lärmschutz zu nutzen. So sagte Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge bisher seien nur fünf Prozent der betroffenen Anwohner mit Lärmschutz ausgestattet worden. Insgesamt haben 25.000 Haushalte Anspruch auf spezielle Fenster und Lüfter. Im März dieses Jahres hatten aber erst 1.200 Haushalte mit Lärmschutz erhalten, hieß es. Laut Medienbericht hat der Flughafen signalisiert, beim Lärmschutz "noch eine Schippe daraufzupacken".

(dpa/dapd)