Berlin - Um das auf Staatskosten gepflegte Opfergrab eines NS-Massenmörders entwickelt sich offenbar ein Streit zwischen dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf und dem Senat. Die Berliner Zeitung hatte berichtet, dass auf dem Waldfriedhof Zehlendorf der Arzt Herbert Linden beerdigt ist, einer der Hauptverantwortlichen der „Euthanasie“-Morde.

Die zuständige Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) zeigte sich entsetzt und kündigte an, dass ihr Amt die Pflege des Grabes einstellen werde. Eine Infotafel solle künftig auf die NS-Karriere des Toten hinweisen. Die Verwaltung von Umweltsenator Michael Müller (SPD) wies das Bezirksamt am Freitag jedoch zurecht. Die Behörde ist für Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zuständig. In scharfem Ton verwies sie in einem Schreiben an das Bezirksamt auf das Gräbergesetz des Bundes und darauf, dass die Zuständigkeit für solche Gräber nur bei der Senatsverwaltung liege. Jede Veränderung an Opfergräbern bedürfe der Zustimmung der Senatsverwaltung.

Hingegen will Stadträtin Markl-Vieto den Kriegsverbrecher nicht weiter ehren. Bis die Identität des Bestatteten amtlich geklärt ist, will sie den Namensstein entfernen lassen, damit das Grab weder geschändet noch ein Wallfahrtsort für Neonazis wird. „Ich finde es unmöglich, wie in der Senatsverwaltung darauf reagiert wird und wie unsensibel man ist“, sagt die Stadträtin. Sie hält es für möglich, dass die zuständigen Mitarbeiter „die Dimension nicht gesehen haben, angesichts eines hohen Arbeitsaufkommens“. Deshalb will sie die Angelegenheit auf höherer Ebene klären, mit dem Staatssekretär oder dem Senator.

Die Stadträtin will nach eigenen Worten eine Lösung finden, wie man auf dem Friedhof eine Tafel aufstellen kann, die auf die Biografie von Herbert Linden hinweist: Die Tafel soll nicht in der Opfergrabanlage mit 449 Gräbern stehen, sondern an der Grabanlage. Markl-Vieto erwägt, sie im Eingangsbereich der Anlage, etwa einen Meter vor dem ersten Grab aufzustellen. Das wäre dann Friedhofsterritorium des Bezirks und nicht der Senatsverwaltung. Markl-Vieto: „Es kann doch nicht sein, dass Täter unter Opfern versteckt werden. Das gehört sich einfach nicht.“