Seit einigen Tagen berichten Berliner Medien darüber, dass ein Bewohner des Flüchtlingscamps am Oranienplatz im vergangenen Dezember eine Frau vergewaltigt haben soll. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt von Amts wegen des Verdachts eines Sexualdelikts. Nach Aussagen der Polizei gibt es allerdings keinen Tatverdächtigen. Auch Ermittlungen im Umfeld des Camps hätten bislang keinen Hinweis auf die Tat gebracht.

Am gestrigen Montag haben sich die Bewohner des Flüchtlingscamps und auch jene, die in einer ehemaligne Schule in Kreuzberg untergekommen sind, gegen diese Behauptung gewehrt. Im Flüchtlingscamp und in der besetzten Schule habe es keine Vergewaltigung gegeben, sagen sie. „Wir haben keinen Kontakt zu dem Opfer und dem Täter. Wir haben es hier mit einem Phantomdelikt zu tun“, sagt ein Mann namens Abraham.

Die Vorwürfe stammen aus dem Text einer anonymen Schreiberin namens Fidicin, die im Mai 2013 auf der linken Internetplattform Indymedia über sexuelle Übergriffe im Flüchtlingscamp berichtetet hatte. Sie schreibt, dass sie als Unterstützerin des Camps „schon von Anfang an „den Anmachen, Sprüchen, Annäherungen und Berührungen“ von männlichen Flüchtlingen ausgesetzt gewesen sei. „Mein persönlicher Kontakt zu besonders einem Mann innerhalb der Campstruktur wurde sehr eng, bis es schließlich zu der Situation kam, dass er sich nahm, was ihm, seiner Ansicht nach, zustand.“ Sie meldete den Vorfall nicht der Polizei, weil sie sich nicht den Verhören aussetzen wollte, sagte sie. Sie redete jedoch mit Menschen aus ihrem direkten Umfeld über die Vergewaltigung. Später machte sie den Fall im Internet bekannt, weil sie „hundertprozentig“ wisse, dass sie bereits der dritte Vergewaltigungsfall im Flüchtlingscamp gewesen sei.

Später berichtete eine Freundin des Vergewaltigungsopfers den Bewohnern im Camp von dem Vorfall. Diese sprachen auf einer ihrer Versammlungen darüber. Die Frau sei eine Unterstützerin des Camps gewesen, ebenso der Täter, heißt es. Die derzeit über 200 Flüchtlinge im Camp und in der Schule fürchten nun die baldige Räumung ihres Camps. Seit Wochen streiten Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) und der Staatssekretär der Innenverwaltung Bernd Krömer über Duldung oder Räumung. Schulz gewährt den Flüchtlingen Unterkunft auf dem Platz und in der Schule, Krömer spricht von einer „rechtswidrigen Sondernutzung“ des öffentlichen Straßenlandes. Bewohner des Camps vermuten, die Sache mit der Vergewaltigung könne auch eine erfundene Sache sein, um dem Camp zu schaden.