Berlin - Das noch junge 2022 könnte in die Geschichte des deutschen Naturschutzes eingehen als das Jahr, in dem der strenge Schutz der Wölfe ein Ende findet. Denn Kritiker der unkontrollierten Ausbreitung der weiterhin geschützten Raubtiere haben für das Land Brandenburg eine Zahl in den Raum gestellt. Sie fordern, dass im wolfreichsten Bundesland künftig jedes Jahr 80 Tiere „entnommen“ werden.

Das „Entnehmen“ ist ein eher euphemistischer Fachbegriff, der beschönigt, worum es in den meisten Fällen geht: nicht etwa um das Einfangen, sondern um das Erschießen. Zu den Kritikern des Schutzes der Wölfe gehören etliche Jäger und auch Landwirte, die um ihre Schafe, Kälber und Ziegen auf der Weide fürchten.

Naturschützer halten dagegen, dass das natürliche Gleichgewicht auch deshalb aus den Fugen geraten ist, weil der Mensch den Wolf hierzulande einst ausgerottet hat. Dass es beispielsweise auch deshalb viel zu viele andere Wildtiere gibt: zum Beispiel Rehe, die zu viele junge Baumtriebe fressen und so verhindern, dass die Wälder gegen die Auswirkungen den Klimawandels besser gewappnet sind. Wölfe könnten den Reh-Bestand regulieren.

Entscheidend für die Aufweichung des strengen Schutzes von Wölfen sind Antworten auf diese Fragen: Ab wann sind es zu viele Wölfe? Ab wann ist ihre Gesamtpopulation aus sich selbst heraus überlebensfähig und braucht keinen Zuzug mehr aus Polen? Ab wann bekommen die heimischen Rudel genügend Junge, die auch überleben? Die Kritiker sagen: Der Zeitpunkt ist längst erreicht. Die Naturschützer sagen: Es ist noch nicht so weit, deshalb dürfen nur „Problem-Wölfe“ gejagt werden.

Egal, ob 2022 tatsächlich das Jahr ist, in dem eine Entscheidung fallen wird oder nicht: Die Debatte darüber, ob Jäger künftig gezielt auf Wolfsjagd gehen dürfen, ist endgültig eröffnet. Nun ist die Politik gefragt.