Berlin - In Berlin hat am Mittwoch wieder die Schule mit vollem Präsenzunterricht in den Klassen begonnen. Und damit auch die Debatte um die Maskenpflicht. Derzeit sind alle Anwesenden – egal ob Lehrer, Schüler, Personal oder Eltern – verpflichtet, Masken in Innenräumen zu tragen. „Nur auf Schulhöfen ist dies ab Mittwoch nicht mehr Pflicht“, sagte Martin Klesmann, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Es ist geplant, dass die Maskenpflicht bis zu den Ferien bleibt.“

In Berlin sind noch zwei Wochen Unterricht, aber ob die Maskenpflicht Bestand hat, ist offen. Denn in anderen Bundesländern wurde sie für Schüler aufgehoben. Virologen fürchten nun einen Wettlauf der Lockerungen und dass die Maskenpflicht generell zur Disposition gestellt wird.

Eltern in Mecklenburg-Vorpommern sind gegen Masken

Sachsen schafft von Montag an die Maskenpflicht im Unterricht ab, wenn der Inzidenzwert unter 35 liegt. Dort sind aber auch noch sechs Wochen Schule. In Mecklenburg-Vorpommern müssen Schüler ab Donnerstag keine Maske mehr im Unterricht tragen. Dort beginnen die Ferien ein paar Tage früher als in Berlin. In Brandenburg gilt derzeit eine strenge Maskenpflicht. „Im Innen- und im Außenbereich der Schulen ist eine medizinische Maske zu tragen“, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. Nur die ersten bis vierten Klassen seien auf dem Schulhof davon befreit.

Doch das erklärte Ziel der Landesregierung in Potsdam ist: „Die Maskenpflicht an Grundschulen und Horten soll vollständig fallen.“ Darüber will das Kabinett nächsten Donnerstag abstimmen – eine Woche vor Ferienbeginn. Außerdem will die Potsdamer Regierung die Hygiene- und Abstandsregeln zwar beibehalten. „Die Maskenpflicht soll jedoch an Orten gelockert werden, wo Abstände eingehalten werden können.“ Die Masken-Debatte wird also weit über die Schulen hinausgehen.

Masken – „relativ schmerzfreie Schutzmaßnahme“

Der Virologe Friedemann Weber, Professor und Institutsleiter an der Uni Gießen, sagte der Berliner Zeitung, dass er die Debatte für verfrüht hält. „Auch wenn die Inzidenzwerte erfreulicherweise sinken: Die Pandemie ist noch nicht vorbei.“ Draußen seien Masken bei genügend Abstand nicht nötig. „Dafür aber weiterhin in Innenräumen wegen der viel höheren Ansteckungsgefahr. Sie sind eine relativ einfache, relativ wirksame und relativ schmerzfreie Schutzmaßnahme.“ Es sei doch einfacher, eine Maske zu tragen, als wieder Geschäfte schließen zu müssen. „Aber ich fürchte, dass es bei den Masken nun einen Wettlauf der Lockerungen geben wird.“

Die Berliner Elternschaft ist in der Masken-Frage gespalten, sagt Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses. „Es gibt Befürworter und Gegner, aber keine eindeutige Linie.“ In Mecklenburg-Vorpommern sieht es anders aus. „Wir als Eltern haben uns extrem dafür eingesetzt, dass die Maskenpflicht fällt“, sagte Kay Czerwinski, Vorsitzender des Landeselternrates. Wichtig sei immer: Wenn Einschränkungen verhängt werden, sollte auch festgelegt werden, wann die Restriktionen wieder fallen. „Es muss Perspektiven geben, ein Ausstiegsszenario. Das ist hier nicht erfolgt. Deshalb sind die Debatten nötig.“

Czerwinski sagt, dass Studien in seinem Land gezeigt hätten, dass sich Schüler nicht in Schulen angesteckt hätten, sondern außerhalb. „Die Schülerinnen und Schüler haben klaglos alles über sich ergehen lassen, was wir Erwachsenen von ihnen im Sinne der Gesamtgesellschaft verlangt haben.“ Nach den vielen Lockerungen in allen möglichen Bereichen sei es nun wichtig, ihnen zu zeigen, dass sich ihre Anstrengungen gelohnt haben. „Es ist ein wichtiges Zeichen der Normalität, dass sie vor den Ferien noch ein paar Tage Unterricht ohne Maske erleben.“