Debatte über Parklets in Berlin-Prenzlauer Berg: Nutzlos und fehl am Platz

Der rot-rot-grüne Senat meinte es gut: Er wollte mit der Einrichtung von sogenannten Parklets den vielen Fußgängern und Radfahrern dieser Stadt einen Gefallen tun. Deshalb wurden die Holzbuchten nicht nur in der Bergmannstraße in Kreuzberg aufgestellt, sondern auch an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Damit wird Platz für mehr Fahrrad-Stellplätze und Bänke geschaffen. Dafür war es aber auch nötig, die Zahl der Autoparkplätze zu verringern. Doch viele Anwohner und Händler im Kiez finden die Parklets fehl am Platz und nutzlos.

Begeisterung hält sich in Grenzen

Die holzumrandeten Buchten an der Straße sind etwa zwölf Meter lang. Seit Ende November stehen sie im Umfeld des U-Bahnhofs Schönhauser Allee auf den Parkstreifen. Insgesamt sind es nun vier Parklets. Drei bieten Abstellplätze für Fahrräder, eines soll Passanten zum Verweilen einladen. Die Begeisterung potenzieller Nutzer hält sich in Grenzen: „An der Schönhauser haben wir doch schon so wenige Autoparkplätze, und die neuen Parklets sehen teuer aus“, sagt Cornelia Liscow. Die 49-Jährige arbeitet als Verkäuferin in den Schönhauser Allee Arcaden.

Kommentar zu den Parklets an der Schönhauser Allee: Absurde Raumtrenner

Der Gehweg vor dem Einkaufszentrum ist weitgehend mit Rädern vollgestellt. Es gibt also ganz klar einen großen Bedarf an Abstellplätzen. Aber das Parklet vor dem Haupteingang ist bei weitem nicht ausgelastet. Gleiches gilt für die anderen beiden Parklets mit Rad-Ständern. Die Holzverkleidungen der Buchten wurden bereits mit Graffiti beschmiert. In der vierten Bucht mit den Sitzbänken steht ein alter Bürostuhl, ringsum liegt Abfall. Ein angetrunkener Mann nimmt Platz. Autos rauschen direkt an den Parklets vorbei. Leute quetschen sich zwischen der Holzverkleidung durch, um über die Straße zu kommen.

Parklets auf Schönhauser Allee werden ein Jahr lang getestet

Gleich daneben schließt Anna-Luise Rhein-Wicke ihr Rad an. „Ich finde es ja klasse, wenn wir mehr Stellplätze haben“, sagte die 48-Jährige. Aber sie kann nicht erkennen, welchen Beitrag die Parklets zur Lösung der Stellplatz-Frage leisten.

Der Bezirk Pankow und der Senat wollen die Parklets – kosten 50.000 Euro pro Stück – ein Jahr lang testen. Die Inbetriebnahme sollte im Oktober erfolgen. Doch die ursprünglichen Buchten waren zu breit, ragten auf die Radwege und mussten nachgebessert werden. Der Start verschob sich auf November. Knapp drei Monate später ist der Eindruck paradox: Die Parklets werden wenig genutzt, verdrecken und würden nie reichen, um den Bedarf an Rad-Stellplätzen zu decken. Dorothee Winden von der Verkehrsverwaltung kündigt an, dass weiterer Rad-Parkraum geschaffen wird.

Bergmannstraßenfest muss in die Kreuzbergstraße verlegt werden

In der Bergmannstraße stoßen die Buchten auf massive Kritik. Die Straße wurde mit 15 Parklets für 615.000 Euro zur „Begegnungszone“ umgewandelt. Der Senat will die Testphase bis zum Herbst fortsetzen. Der Bezirk will dies nicht. Denn das legendäre Bergmannstraßenfest muss deswegen definitiv in die Kreuzbergstraße verlegt werden, wie die Senatsverwaltung bestätigte.