Berlin - Heskel Nathaniel war nicht zu überreden. Nein, er wolle der Berliner Zeitung nichts sagen. Der Geschäftsführer und Gründer des Immobilienentwicklungskonzerns Trockland war am Sonnabend zur Mittagszeit zum Checkpoint Charlie gekommen, um sich den ersten Entwurf des Bebauungsplans des Senats für die geschichtsträchtige Kreuzung Friedrich-/ Ecke Zimmerstraße anzuschauen. Das, was er gesehen hat, kann Nathaniel nicht sonderlich gefallen haben. Mit dem, was Trockland selbst an dem Ort für Pläne hat, haben die Eckpunkte des Senats jedenfalls nur wenig gemein.

Senat kündigt für künftige Bebauung bestimmte Grundsätze an

Tatsächlich hat sich die federführende Senatsverwaltung für Stadtentwicklung detailgetreu an das gehalten, was sie vorher angekündigt hatte: An dem ehemaligen Grenzübergang, der bis heute von einem Bretterdorf dominiert wird, sollen für eine künftige Bebauung bestimmte Grundsätze gelten: So soll es östlich und westlich der Friedrichstraße wie bisher schon zwei öffentliche Plätze geben. Zwei unter Denkmalschutz gestellte Brandwände an der Mauer- und an der Zimmerstraße dürfen nicht komplett bebaut werden. Auf das Grundstück östlich der Friedrichstraße soll ein Museum des Kalten Krieges entstehen. Auf dem gesamten Areal darf maximal 28 Meter hoch gebaut werden. Es soll dort kein Hotel entstehen, stattdessen sollen auf zwei von drei Baufeldern Wohnungen entstehen und zwar nach dem sogenannten Berliner Modell. Dieses sieht vor, dass mindestens 30 Prozent davon sozialer Wohnungsbau ist.

Jetzt macht die Verwaltung Zeitdruck. Bereits nächste Woche beginnt eine öffentliche Bürgerbeteiligung. Im November soll der Plan ins parlamentarische Verfahren gehen, das Abgeordnetenhaus ihn im Februar nächsten Jahres beschließen.

Privat-Investor Trockland hatte jahrelang freie Hand bei Areal-Planung

Zuvor hatte Trockland mangels eines Bebauungsplans geschlagene vier Jahre gefühlt freie Hand bei der Planung des Areals. Das Unternehmen ist zwar nicht offiziell Eigentümer des Geländes, hat aber die Grundschuld eines zuvor insolvent gegangenen Vorgängers übernommen – die Rede ist von 90 Millionen Euro. Also plante Trockland zunächst munter drauf los: In einem Workshop-Verfahren voriges Jahr trat dabei teils spektakuläre Architektur zutage.

International agierende Star-Büros wie Graft oder David Chipperfield legten mal Hochhausplanungen vor, mal futuristisch anmutenden Würfel – immer aber ein großes Hotel auf der dichtbebauten Ostseite. Als Betreiber dafür nannte Trockland stets die Hard-Rock-Hotel-Kette. Okay, für ein Museum des Kalten Krieges – wenn Berlin denn unbedingt eines wünsche – lasse sich auf der westlichen Ecke sicher ein Plätzchen finden.

Zweifel an Seriosität von Trockland

Das ging so lange, bis der Senat einschritt und ein städtebauliches Verfahren in Gang setzte. Zeitgleich tauchten Zweifel an der Seriosität von Trockland und dessen Geldgebern auf. Die Stimmung in der Stadtgesellschaft drehte sich. Man wollte – und will – diesen exponierten Platz der Weltgeschichte, an dem sich 1961 sowjetische und amerikanische Panzer Rohr in Rohr gegenüberstanden, nicht einem auf maximalen Gewinn hinarbeitenden Immobilienkonzern überlassen. Der Senat ging auf Konfrontationskurs – erst recht, als immer wieder Leute wie Ex-US-Botschafter John Kornblum oder die Alt-Regierenden Eberhard Diepgen und Walter Momper auf den Plan traten und teils unverhohlen Lobbyismus für Trockland betrieben. Spätestens seitdem sind die Fronten verhärtet.

Trockland-Chef kritisiert Senatspläne

Später am Sonnabend ließ Trockland-Chef Nathaniel dann doch ein Statement verbreiten. Quintessenz: Dieser B-Plan sei eine verpasste Chance für Berlin. Der Checkpoint Charlie verdiene „Fantasie und eine spektakuläre Architektur“. Dagegen habe der jetzige Planungsentwurf „keine Visionen für den Ort und opfert ihn zugunsten eines Mittelmaßes.“

Aber wäre Trockland angesichts der nun veröffentlichten Bedingungen überhaupt bereit - und finanziell in der Lage - dort zu bauen? Man sei weiterhin entschlossen, eine vernünftige und gute Lösung an diesem Standort zu realisieren, lässt Nathaniel verbreiten und schließt mit einer rhetorischen Frage: „Wo sonst als hier muss es gelingen, Vertrauen und Einheit aufzubauen?