Berlin - Nach der Absage folgen die Angebote: Die Guggenheim Stiftung in New York erhält zurzeit sehr viele Offerten aus Städten in Deutschland, die das mobile Forschungslabor BMW Guggenheim Lab zu sich holen wollen. Anfang der Woche hatten die Kuratoren aus New York entschieden, ihr Projekt nach Protesten von Anwohnern und Künstlerinitiativen nicht auf einer Brache an der Cuvrystraße in Kreuzberg zu realisieren.

Jetzt suchen die Kuratoren einen neuen Ort. „Mit Hochdruck wird hinter verschlossenen Türen ein passender Standort gesucht“, sagt BMW-Kulturmanager Thomas Girst. Bis Ende nächster Woche soll der neue Standort bekanntgegeben werden.

Die Kuratoren prüfen, auf welchem Areal sich die 30 Meter lange Leichtbauhalle errichten lässt. Zwei Monate lang sollen darin prominente Wissenschaftler und Künstler mit Besuchern über die Zukunft der Metropolen diskutieren. Für die Stiftung steht jetzt neben der Frage der Machbarkeit auch der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Der Berliner Staatsschutz hatte Guggenheim empfohlen, einen Wachschutz für das Gelände in Kreuzberg zu engagieren, weil sie Proteste und Sachbeschädigungen von Gentrifizierungs-Gegner prognostizierte.

Wowereit will das Lab

Für die New Yorker Stiftung wird die Auswahl schwierig. Denn die Kuratoren bekommen jetzt nicht nur Angebote aus Berlin, sondern auch aus Städten wie Köln, Hamburg und München, heißt es aus dem Kreis der Beteiligten.

Berlin sollte nach bisheriger Planung eine von weltweit neun Großstädten sein, in der die mobile Diskussions- und Forschungsplattform errichtet wird. Ob es nach dem Rückzug aus Kreuzberg dabei bleibt, ist derzeit offen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) setzt sich in einem Brief an die Guggenheim-Stiftung für den Standort Berlin ein. Wowereit versichert der Stiftung, das BMW Guggenheim Lab sei in Berlin höchst willkommen. Senatssprecher Richard Meng sagte, Wowereit habe gegenüber Guggenheim deutlich gemacht, dass die Berliner Behörden an jedem von Guggenheim gewählten Standort für die nötige Sicherheit sorgen werden.

Nach Informationen der Berliner Zeitung bieten derzeit etliche private und staatliche Einrichtungen in Berlin der Guggenheim-Stiftung ihre Freiflächen an. Im Gespräch sind das Radialsystem, der Martin-Gropius-Bau und die Staatlichen Museen. Ob diese Orte geeignet sein könnten, prüfen die Kuratoren jetzt. Auch Lichtenberg würde das Projekt gern in seinem Bezirk haben. Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) bietet das alte Wasserwerk an, ein fünf Hektar großes ungenutztes Industrieareal an der Landsberger Allee. „Gegen diese Herausforderung wäre die bisher vorgesehene Wiese in der Cuvrystraße eher ,niedlich’ zu nennen“, sagt Geisel. In Lichtenrade preisen Bewohner die alte Mälzerei am S-Bahnhof Lichtenrade an.

Wegen der neuen Projektplanung könnte das Forschungslabor später eröffnen. Es gebe „eine Reihe logistischer Probleme, die jetzt gelöst werden müssen“ heißt es.

Eigentlich sollte das Labor nach einer ersten Station in New York im Sommer 2011 am 24. Mai 2012 in Berlin eröffnen und bis 29. Juli dauern. Am 9. Dezember wird das Projekt dann in Mumbai fortgesetzt.