Unter dem Motto „Freiraum, Wohnraum, Für alle“ hat sich jetzt ein Aktionsbündnis gegründet, das die vom Senat geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes beim Volksentscheid am 25. Mai unterstützt. Berlin sei eine wachsende Stadt und benötige einen Teil der Flächen, um dort Wohnungen und Gewerbefläche zu schaffen, sagte Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Dienstag bei der Vorstellung des Bündnisses.

Neben der IHK beteiligen sich mehrere Verbände der Wohnungswirtschaft, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sowie die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege an dem Zusammenschluss.

„Nur durch mehr Neubau kann dafür gesorgt werden, dass Wohnen in Berlin auf Dauer für alle bezahlbar bleibt“, sagte Maren Kern, Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Angesichts des prognostizierten Einwohnerzuwachses um 250.000 Menschen bis zum Jahr 2030 benötige Berlin jedes Jahr rund 10.000 neue Wohnungen. Ein Teil davon müsse auch in Tempelhof gebaut werden. In jedem Fall bleibe eine Freifläche von 230 Hektar in der Mitte des Areals frei von jeglicher Bebauung. Diese Fläche sei größer als der Tiergarten.

Martin Matz, Vorsitzender der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, forderte, dass möglichst viele preisgünstige Wohnungen in Tempelhof gebaut werden. Die Beratungsstellen der Sozialverbände machten zurzeit die „alarmierende“ Erfahrung, dass bezahlbarer Wohnraum für viele Berliner – bis hinauf zu Beziehern durchschnittlicher Einkommen – knapp sei, so Matz. Der Präsident des Landessportbundes (LSB) und ehemalige SPD-Senator Klaus Böger sagte, der LSB sei parteipolitisch neutral, wolle jedoch Stimme des Sports sein.

Weil nach den Plänen für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes auch Sportflächen entstehen sollen, unterstütze der LSB diesen Vorschlag. Der stellvertretende DGB-Chef Christian Hoßbach sagte, in Berlin herrsche Wohnungsnot. Die Berliner litten unter stark steigenden Mieten. Mindestens die Hälfte der Wohnungen am Rand des Tempelhofer Feldes sollte dort zu Kaltmieten von sechs bis acht Euro je Quadratmeter errichtet werden.

Mieter können Plakate entfernen lassen

Die Bündnis-Teilnehmer wollen sich auf unterschiedliche Weise für ihre Ziele stark machen. BBU-Chefin Kern kündigte an, dass ihre Mitgliedsunternehmen unter anderem in Hausaufgängen der Mietshäuser Plakate aufhängen. Dagegen regt sich Kritik beim Berliner Mieterverein (BMV). „Das verstößt gegen das Maßhaltegebot in Paragraf 241 des Bürgerlichen Gesetzbuches“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. Danach seien Vermieter gehalten, das Treppenhaus nicht für die Verbreitung allgemeinpolitischer Forderungen zu nutzen. „Das dient nicht dem Hausfrieden“, sagte Wild.

Die Vermieter müssten sich deswegen auch vor dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld zurückhalten. Die übliche Treppenhausnutzung sei schließlich den Mietern mietvertraglich gewährleistet. Mietern werde ja auch nicht erlaubt, Werbung für die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld oder andere allgemeinpolitische Dinge zu machen, so Wild. Wenn es jedoch einen Schaukasten gebe, der vom Vermieter deutlich für Eigenwerbung genutzt werde, könne er dort das Plakat für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes anbringen.

Sollten Vermieter das Plakat wie angekündigt doch in Treppenaufgängen aufhängen, seien die Mieter berechtigt, eine Entfernung der Plakate zu verlangen, so Wild. Der BBU wies die Darstellung zurück. Es handele sich lediglich um eine Information durch die Vermieter, so der Verband.