Eine schöne Idee ist es ja: Wenn man seinen Einzelfahrschein nicht mehr braucht, die zwei Stunden Fahrtdauer aber noch nicht verbraucht sind, übergibt man das Ticket einfach an die nächste Person, die es dann weiternutzen kann.

Das dachte sich auch ein Student aus Fürth, der eine "Ticket-Sharing-Tasche" entworfen hat. Sie soll dazu dienen, dass man sein "noch gültiges" Ticket gut sichtbar an Stationen abgeben kann, wo es sich dann ein anderer Fahrgast einfach herausnimmt.

In Nürnberg kostet ein Einzelfahrschein 2,60 Euro und ist für eine Dauer von 90 Minuten gültig. Weil allerdings kaum jemand diese Fahrtzeit ausreizt, wollte Paul Blotzki andere Menschen ermutigen, ihren Fahrschein nicht in den Mülleimer, sondern in die Tickettasche zu legen.

Er hat sogar eine Bastelvorlage für die Papiertasche ins Internet gestellt - damit so viele Leute wie möglich mitmachen. Sein benutztes Ticket legt man einfach in die Tasche mit der jeweiligen Fahrtrichtung.

Wäre diese Art von Ticketsharing auch in Berlin möglich? "Nein", sagt die Pressesprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe, Petra Reetz. Denn die Weitergabe von Tickets ist schon durch die Beförderungsbedingungen der BVG untersagt. Das heißt: Ein Einzelfahrschein gilt für eine Person - für eine Fahrt. "Wenn Sie einen Fahrschein kaufen, gehen Sie einen Vertrag ein", erklärt Reetz die Rechtslage.

In den Beförderungsbedingungen stehe eindeutig, dass die Fahrt automatisch beendet ist, wenn der Fahrgast das Transportmittel, also die U-Bahn, die S-Bahn, die Tram oder den Bus, verlässt. Das beinhalte auch, dass man nicht einfach aussteigen, einen Kaffee trinken und wieder einsteigen kann. Theoretisch müsste man sich dann einen neuen Fahrschein kaufen. Theoretisch.

"Was der junge Mann dort in Nürnberg macht, ist eindeutig illegal", so die Pressesprecherin. Wenn jemand solche Taschen in Berlin aufhängen würde, müsse er mit einer Anzeige rechnen. Vorausgesetzt diese Person wird dabei erwischt. Der Student Paul Blotzki hatte bisher Glück.

Rechtliche Konsequenzen haben ihn noch nicht eingeholt. "Ich habe ja auch nur die Bastelvorlage als PDF erstellt und ins Internet gestellt", so seine Erklärung. Es habe sich auch schon jemand aus Hamburg gemeldet, der Interesse an der Tickettasche hat. Ob die Idee auch auf andere Städte greift, bleibt abzuwarten.

Die Nürnberger Verkehrsgesellschaft (VAG) jedenfalls hat bereits Alarm geschlagen und klargemacht, dass die selbstgebastelten Tickettaschen nicht erwünscht sind. Plakate und Zettel für diese Aktion würde man sofort entfernen. Ein anderer Grund ist sicherlich, dass der VAG ein erheblicher finanzieller Schaden entstehen würde, würde diese Art von Fahrkarten-Teilen in Mode kommen.

Das wäre auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben der Fall. Denn der Verkauf der Einzelfahrscheine ist ein gutes Geschäft und macht fast ein Drittel des Umsatzes beim Fahrkartenverkauf aus. Dieser lag im Jahr 2013 bei 600 Millionen Euro.