Debatte zu Alternativentwurf für das Berliner Schloss: Mausbach: „Inhaltsleer und geschichtslos“

Im Streit um die Gestaltung des neuen Berliner Schlosses erhält der italienische Architekt Franco Stella weitere prominente Unterstützung. Der frühere Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Florian Mausbach, verteidigt im Gespräch mit der Berliner Zeitung die Entscheidung für Stellas Entwurf im Architektenwettbewerb vor fünf Jahren.

Zugleich erklärt der ehemals ranghöchste Baubeamte der Republik, warum der Entwurf des Münchner Architekten Stephan Braunfels, der im Moment so viel Zuspruch erhält, damals keine Chance hatte. Der Wettbewerb war vom BBR organisiert worden. „Ziel des Architektenwettbewerbs 2008 war, die über Jahrhunderte von großen Baumeistern gestaltete städtebauliche Komposition zurückzugewinnen, deren Mittelpunkt der Kubus des Schlosses mit seinen zwei Höfen ist: ein Schloss, das sich nach außen verschließt, um sich nach innen überraschend zu öffnen“, sagt Mausbach.

Drei Barockfassaden sollten wieder erstehen, die Nord-, West- und Südfassade sowie die drei Barockfassaden des Schlüterhofs. Die Ostfassade des Kubus habe in moderner Architektur errichtet werden sollen. „Braunfels’ Entwurf schied aus, weil er gegen die Wettbewerbsauslobung verstieß“, stellt Mausbach heute fest. Ein wichtiges Detail stört ihn besonders: „Braunfels verdreht und verkehrt den Schlüterhof, macht die Ostseite, die barocke Schauseite des Schlüterhofs, zur Westseite, um den Hof nach Osten aufzureißen.“ Mausbach hält wenig von der Braunfels’schen Idee: „Diese Kulissenschieberei wäre nicht nur die postmoderne Vergewaltigung der architektonischen Idee eines bedeutenden europäischen Barockbauwerks, sondern auch die endgültige Zerstörung der Geschichte dieses Ortes“, sagt er.

Der Ort sei nicht nur symbolischer Mittelpunkt brandenburgisch-preußischer Geschichte, sondern auch der deutschen Geschichte samt ihrer Revolutionen. „Das Schloss war nur als kurfürstliches Renaissanceschloss, als Herrschaftsbau gegenüber der Bürger- und Handwerkerstadt Alt-Berlins, nach Osten gerichtet, später nach Süden zu Schlosshof und Breite Straße, schließlich mit der Stüler’schen Kuppel nach Westen zur Prachtstraße Unter den Linden.“ Einen Ehrenhof als Empfangshof mit offenen Flügelarmen wie beim Schloss Bellevue habe es nie gegeben.

„Schon gar nicht hin zur Bürgerstadt Alt-Berlins mit dem Rathaus“, wie Braunfels es vorschlägt. „Die nationale politische Mitte der Bundeshauptstadt liegt heute vor dem Brandenburger Tor im Spreebogen“, sagt Mausbach. „Deshalb ist die von Braunfels vorgeschlagene Monumentalachse vom Schloss zum Fernsehturm – mit einer stramm stehenden Ehrenformation von Bauten in Reih und Glied – als neuer Mitte der Hauptstadt ein surreales Szenario.“ Der verkehrte Schlosshof breite „in demutsvoller Geste seine Flügelarme aus zum Fernsehturm als übergroßem Götzenbild“, so Mausbach. „Was will der Architekt uns damit sagen? Nichts. Es ist ein inhaltsleerer und geschichtsloser pathetischer Formalismus.“

Ähnlich scharf reagiert Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss. Braunfels hatte von Boddien vorgeworfen, dass er dafür gesorgt habe, dass die Wettbewerbsvorgaben so eng gefasst worden seien, um seinen Entwurf zu verhindern. „Braunfels irrt, wenn er meint, dass sein Entwurf im Wettbewerb 2008 deshalb ausgeschieden ist, weil ich es so gewollt habe“, sagt von Boddien.

„Ich hatte im Preisgericht gar kein Stimmrecht, sondern war nur als Berater für Fragen der Fassadengestaltung dabei.“ Er sei nicht einmal gefragt worden, ob der Braunfels-Entwurf mit Schlüter kompatibel sei. Braunfels sei ausgeschieden, weil er gegen die Wettbewerbsvorgaben verstoßen habe, bekräftigt von Boddien.

„Er hat es sich also selbst zuzuschreiben, dass er in dem Wettbewerb frühzeitig ausgeschieden ist.“ Alles andere trage „nur zur Legendenbildung bei“. Der Bundestag habe entschieden, was auf dem Schlossplatz entstehen solle, und daran müsse man sich halten, „wie alle anderen Architekten des Wettbewerbs es ja auch getan haben“.