Die Debatte um Berlins erste sogenannte Begegnungszone, die in der Schöneberger Maaßenstraße eingerichtet werden soll, geht weiter. Mehr als hundert unmittelbar und mittelbar Beteiligte – Anwohner, aber auch Bezirkspolitiker, Stadtplaner, Polizisten und Ordnungsamtler – trafen sich vergangene Woche im Jugend-Kulturhaus an der Pallasstraße, um sich über den Stand der Planung zu informieren. Wie berichtet, soll die Maaßenstraße zwischen Nollendorfstraße und Winterfeldtplatz von einer Tempo-30-Zone in eine 20er-Zone umgewandelt werden. Dies gilt als Modellprojekt, das Vorbild für ähnliche Pläne in der Kreuzberger Bergmannstraße oder am Checkpoint Charlie sein soll.

Echte Begegnungszonen nicht möglich

Zunächst machten die Planer klar, dass eine echte Begegnungszone, wie es sie in holländischen und Schweizer Städten gibt, wo sich Autos, Radfahrer und Fußgänger einen Raum teilten, die Fußgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer jedoch immer Vorrecht haben, hierzulande nicht möglich sei. Das, so sagen die Experten ganz klar, gebe die hiesige Straßenverkehrsordnung nicht her. Dennoch soll der Autoverkehr zurückgedrängt werden. So ist geplant, die Fahrbahn der Maaßenstraße auf 6,50 Meter Breite einzuengen, so dass zwei Autos gerade so aneinander vorbei kämen. Dies und eine „Verschwenkung“ – also Verkrümmung – des Fahrbahnstreifens soll die Geschwindigkeit in der Straße drosseln, die derzeit täglich von rund 5000 Autos durchfahren wird. An Einmündungen und anderen Stellen soll andersfarbiges Pflaster Querungsmöglichkeiten für Fußgänger anzeigen.

Besonders drastische Änderungen sehen die Pläne für den Abschnitt südlich der Nollendorfstraße vor. Dort sollen alle 50 Parkplätze wegfallen, so dass ein insgesamt fast 28 Meter breiter Fußweg rechts und links entstünde. Auf der gewonnenen Fläche sind Bänke geplant. Keinesfalls aber sollten anliegende Bars oder Cafés ihre Stühle auch auf diese neuen Flächen stellen dürfen. Ziel sei stattdessen mehr „soziale Brauchbarkeit“, ohne, dass die Nutzung des öffentlichen Raumes etwas koste. Die bisherigen Bordsteine aber sollten allein schon aus Kostengründen erhalten bleiben, sagten die Planer auf der Veranstaltung.

Vorgestellt wurden an dem Abend auch die Ergebnisse der ersten Bürgerbeteiligungen. Dabei wurde klar, dass längst nicht alle Anwohner von der Notwendigkeit eines Umbaus der Maaßenstraße überzeugt sind. Mehrere Redner befürchteten ein Chaos angesichts des regen Lieferverkehrs in der Straße und noch mehr Müll durch noch mehr Aufenthaltsflächen für Fußgänger. Andere fühlten sich als Autofahrer geradezu „verfolgt“ und wollten partout nicht einsehen, dass die Stadtplaner sie auf theoretisch ausreichende Parkplätze in der näheren und ferneren Umgebung verwiesen.

Lärm durch Kneipen

Deutlich wurde aber vor allem, dass viele Anwohner nicht in erster Linie ein Problem mit dem Autoverkehr, sondern vielmehr mit der überbordenden Gastronomie in der Straße haben. Als ein Anwohner das Stichwort Ballermann in den Raum warf, erntete er den meisten Applaus. Es seien vor allem die vielen abendlichen und nächtlichen Kneipenbesucher, die schlafraubend seien. Dass diese dann auch noch oft mit dem Auto anreisten mache die Sache noch schlimmer.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sagte, im Bezirksamt habe man das Problem längst erkannt. Schon heute genehmige man keine neue Gastronomie in der Maaßenstraße mehr. Und sollte ein Wirt seine Restauration aufgeben, dürfe kein neuer mehr nachrücken. Um dies auch juristisch abzusichern, ändere man aktuell die Gestaltungssatzung für die Straße. „Allerdings gibt es Bestandsschutz. Wir können nicht einfach jemanden rausschmeißen“, so die Bezirksbürgermeisterin.