Gratis mit dem Mietrad durch Berlin fahren – das ist für viele Abo-Kunden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit Anfang dieser Woche möglich. Eine Kooperation, die das Landesunternehmen und Deezer Nextbike besiegelt haben, sieht vor, dass die blausilbernen Mieträder des Unternehmens bis zu 20 Minuten lang kostenlos genutzt werden dürfen. „Mal eine gute Nachricht aus dem Leihfahrrad-Universum“, twitterte der Allgemeine-Deutsche Fahrrad-Club erfreut.

In der Tat waren zuletzt negative Aspekte in den Vordergrund gerückt. So wurde kritisiert, dass in Berlin zu viele Mieträder auf Gehwegen stehen. Dass der Vermieter Obike zahlungsunfähig ist und Ofo den Rückzug aus Deutschland plant, sorgte für weitere Schlagzeilen. Mit der Einladung zum kostenlosen Radeln ist nun wieder Positives zu vermelden.
Allerdings gibt es eine Reihe von Einschränkungen. So gilt das neue Angebot ausschließlich für Abo-Kunden der BVG, nicht für Kunden anderer Verkehrsunternehmen wie der S-Bahn. Wer es nutzen will, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Schüler- und Firmenticketinhaber dürfen die Offerte nicht nutzen, hieß es.

Schüler sind ausgeschlossen

„Abonnenten von Schülertickets erhalten erst ab August 2018 eine Chipkarte, die für die Nutzung des Angebots ja notwendig wäre, und werden daher erst in zukünftige Überlegungen einbezogen“, erklärte BVG-Sprecher Jannes Schwentu. Abgesehen davon muss man ohnehin mindestens 16 Jahre alt sein, um Deezer Nextbike nutzen zu dürfen. Firmenticketnutzer erhielten im Vergleich zum regulären Abonnement bereits jetzt einen Rabatt, teilte die BVG mit.

Das Angebot gelte zunächst bis Ende des Jahres. „Ob es verlängert und auf weitere Abonnentengruppen ausgeweitet wird, steht noch nicht fest“, sagte Schwentu. Wer gratis radeln will, muss sich mit seiner BVG-Fahrcard registrieren. Dauert die Fahrt länger als 20 Minuten, werden die regulären Tarife von Deezer Nextbike fällig. Nextbike-Räder können nur an Stationen gemietet werden. Nach der Fahrt sollen sie wieder zu einer Station gebracht werden. Wer sich nicht daran hält und das Rad auf einer Straße in der Innenstadt abstellt, zahlt 50 Cent Gebühr.

In anderen Städten dürfen Abo-Kunden des Nahverkehr längst vergünstigt oder gar kostenlos Mieträder nutzen. In Berlin war das bisher nicht der Fall. Zwar will der Senat erreichen, dass künftig alle Abo-Kunden die Nextbike-Räder gratis nutzen dürfen. Anfangs war von 45, später von 30 Freiminuten bei jeder Fahrt die Rede. Doch die Verhandlungen, bei denen es um die Zahlung eines Ausgleichs ging, haben nicht zu dem erhofften Ergebnis geführt.

Harter Wettbewerb in Berlin

Nun hat sich Nextbike mit der BVG auf eine separate Kooperation geeinigt, bei der ebenfalls Geld fließt. Dadurch soll das Mietradsystem, das Nextbike seit Mai 2017 im Auftrag des Berliner Senats betreibt, in der Konkurrenz zu Anbietern aus Fernost an Attraktivität gewinnen.
Begonnen hat Nextbike mit rund 1 500 Mieträdern, die an zirka hundert Mietstationen angeboten wurden – viel weniger als geplant. Da für jeden Standort Genehmigungen der jeweiligen Bezirke und Abstimmungen mit vielen Beteiligten nötig sind, geht der Ausbau des Stationsnetzes nicht so schnell voran wie erhofft. Zudem werden für die Nutzung des Straßenlands Gebühren fällig, über deren Höhe noch verhandelt wird.

Zum Berlin-Start teilte das Leipziger Unternehmen mit, dass 5 500 Mieträder und 725 Mietstationen das Ziel seien. Der Vertrag mit dem Land Berlin wurde für fünf Jahre geschlossen, lässt eine dreijährige Verlängerung zu und beschert Nextbike einen Landeszuschuss von maximal anderthalb Millionen Euro pro Jahr. Seit November 2017 arbeitet Nextbike in Berlin auch mit dem Audio-Streamingdienst Deezer zusammen.