Berlin - Noch gibt es die neue Bundesregierung nicht. Aber eine Forderung an sie liegt schon auf dem Tisch. Weil immer mehr U-Bahn-Tunnel in die Jahre kommen, benötigen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mehr Geld. In den vergangenen Jahren gab das Unternehmen jährlich im Durchschnitt 260 Millionen Euro aus, um seine Anlagen in Schuss zu halten.

„Künftig brauchen wir 360 Millionen Euro pro Jahr“, sagte die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta am Donnerstag. Bleibe die Aufstockung aus, werde bis 2020 eine Finanzierungslücke von mehr als einer Milliarde Euro entstehen. Viele Tunnel erreichen bald das Ende ihrer Belastungsgrenze. Werden sie nicht saniert, drohten kritische Zustände, warnte Bau-Chef Uwe Kutscher.

Er meinte Zustände wie in den neunziger Jahren, als sich langes Knausern fatal bemerkbar machte. „Bei einigen U-Bahn-Bauwerken war die Grenze der Haltbarkeit und Standfestigkeit erreicht“, sagte der Bauingenieur. Beton bröckelte, Stahl rostete, und durch undichte Decken tropfte Regenwasser. Es war absehbar, dass manche unterirdischen Bauwerke bald zu schwach für den Straßenverkehr sein werden, der über sie hinwegrollt. „Viele Tunnel hätte man schon vor 20 Jahren sanieren müssen“, so Kutscher. Betroffen waren vor allem ältere Strecken auf den Linien U 1 bis U 4.

Erst vom Jahr 2000 an gab es mehr Geld, damit das U-Bahn-Netz besser in Ordnung gehalten werden konnte. Damals sagte der Senat der BVG ein 800 Millionen Euro schweres Tunnelsanierungsprogramm zu, das nun zu zwei Dritteln abgearbeitet ist. Bund und Land steuern Geld bei. Doch kritische Zustände gibt es weiterhin – wie auf der Linie U 8, wo jetzt drei Bahnhöfe saniert werden.

Im Fall der 1929 eröffneten Station Leinestraße kommt auch noch Pfusch dazu. „Pfusch gab es schon in den zwanziger Jahren“, sagte Kutscher. „In den Beton wurden weniger Eisenstäbe eingezogen als nötig ist.“ Auch wurde nicht immer richtig verdichtet, oder die Arbeiter vergaßen Zement. Weil das Bauwerk undicht ist, setzte eindringendes Wasser der Konstruktion zu. Anfangs wurde die Sanierung auf fünf Millionen Euro taxiert, so Kutscher. „Doch als wir uns den Bahnhof näher ansahen, war klar: Das wird teurer.“ Jetzt geht es um 7,5 Millionen Euro, gebaut wird mindestens bis Mai 2014. Auch der U-Bahnhof Hermannstraße, der erst seit 1996 in Betrieb ist, muss saniert werden: Dort fallen schon die Fliesen von den Wänden.

Für die BVG-Chefin sind die Neuköllner U-Bahnhöfe Vorboten weiterer Sanierungsprojekte. „Gerade im Westen Berlins gibt es noch einen großen Erneuerungsbedarf“, sagte Nikutta. Nicht nur die BVG fordert mehr Geld für die Infrastruktur. Beim „Deutschland-Tag des Nahverkehrs“ verlangten 36 Verkehrsunternehmen und -verbünde, die täglich 30 Millionen Fahrgäste befördern, mehr Aufmerksamkeit für das Problem. Ihr Appell richtete sich an den Bund und viele Bundesländer. „Die Mittel reichen schon heute nicht aus. Wir erwarten einen kräftigen Schub“, sagte Werner Faber vom VDV. Den hielt auch Bau-Chef Kutscher für nötig: „Sonst haben wir in einigen Jahren wieder dasselbe Problem wie in den Neunzigern.“