In Berlin gibt es immer mehr Inkassounternehmen. Nicht nur private sondern auch landeseigene Gesellschaften lassen von diesen Firmen ihre Forderungen eintreiben.

Gab es im Jahr 2011 noch 49 Inkassofirmen, so sind in diesem Jahr bereits 116 dieser Unternehmen in der Stadt registriert. Dies geht aus einer Antwort von Martina Gerlach (Grüne), Statssekretärin für Verbraucherschutz, auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor.

Inkassounternehmen fordern im Auftrag von Gläubigern ausstehendes Geld ein. Sie ermitteln Schuldner, auch wenn diese längst verzogen sind. Sie mahnen sie und suchen sie daheim auf. Die Inkassofirmen kaufen auch Forderungen auf. Immer wieder gibt es Berichte über unseriöse Schuldeneintreiber, die angeblichen oder tatsächlichen Schuldnern mit Gewalt drohen.

Die Hauptverwaltungen des Senats lassen ihre Geldforderungen laut Staatssekretärin Gerlach nicht von Inkassounternehmen eintreiben. Bei den landeseigenen Betrieben sieht es dagegen anders aus: Die Bäderbetriebe, die BSR, die BVG, die Wasserbetriebe, die Messe Berlin lassen ihre Forderungen durch Inkassofirmen eintreiben. Auf die harte Tour setzen mitunter auch landeseigene Wohnungsunternehmen. Laut Staatssekretärin treibt die Degewo Aktiengesellschaft ihre Forderungen gegenüber ihren Mietern über drei Inkasso-Firmen ein. Die Gesobau hat ebenfalls seit mehreren Jahren ein Inkasso-Unternehmen „mit der Durchführung eines sozialverträglichen Mietforderungsmanagements betraut“, ebenso die Howoge.

Sorgfältig ausgewählt

Auch die Gewobag sowie die Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft lassen bei hartnäckigen Mietverweigerern die„Profis“ ran. Eine Gewobag-Sprecherin betont, dass mit säumigen Mietern nach gemeinsamen Lösungen gesucht werde. Wird dennoch eine Kündigung wegen Mietrückständen nötig, werde stets Ersatzwohnraum angeboten. „Nur wenn der Mieter nicht mehr erreicht wird, erfolgen überhaupt gerichtliche Schritte“, sagt die Sprecherin.

Lediglich ein sehr geringer Anteil der Forderungen, bei denen Zwangsvollstreckung erfolglos blieb, würden verkauft. „Innerhalb des letzten Jahres haben wir keine Forderungen verkauft.“ Das mit der Gewobag zusammenarbeitende Inkassounternehmen sei sorgfältig nach Größe und Seriosität ausgewählt. Vor Ort sei das Auftreten des Unternehmens gegenüber Schuldnern beobachtet und für gut befunden worden.

Auf seiner Internetseite warnt der Senat, dass es in der Branche „viele schwarze Schafe“ gebe, so dass Verbraucher genau prüfen sollten, ob das Inkassounternehmen seriös ist. So schickten Inkassounternehmen Mahnungen an Kunden, die gar nichts vom angeblichen Gläubiger gekauft haben.

Schreiber wollte vom Senat unter anderem wissen, welche Erkenntnisse es über Inkassounternehmen gebe, die zur organisierten Kriminalität gehören und welche Rolle kriminelle Clans spielen. Dazu konnte die Staatssekretärin keine Angaben machen. Auch eine Untersagung der Ausübung von Geschäften sei bisher nicht gegen solche Unternehmen ausgesprochen worden. Schreiber glaubt, dass der Senat keine Ahnung vom Treiben unseriöser Firmen habe und die organisierte Kriminalität einen Fuß in der Tür habe. „Die Grauzone zwischen seriösen und unseriösen Inkassofirmen muss durch das LKA aufgehellt werden“, sagt er.