Degewo: Günstig wohnen in Köpenick

Die Lage ist durchaus privilegiert. Zwischen hohen Kiefern an der Joachimstraße in Köpenick, gegenüber schick sanierten Altbauten und fußläufig zum Waldgebiet der Wuhlheide gelegen, entstehen in den kommenden sechs Jahren 250 neue Wohnungen. Das landeseigene Unternehmen Degewo startet dort sein zweites Neubauprojekt in diesem Jahr. Am Dienstag war Spatenstich für den ersten Bauabschnitt mit 68 Wohnungen.

„Wir erfüllen mit dem Projekt einen dringenden Wunsch der Berliner Politik nach mehr Wohnungen“, sagte Degewo-Vorstand Christoph Beck. Bis zum Jahr 2020 will Berlins größtes Wohnungsunternehmen allein in Treptow-Köpenick 400 neue Wohnungen bauen. Es sollen – als Gegengewicht zu Angeboten privater Investoren, die meist im oberen Preissegment planen – vergleichsweise preisgünstige Wohnungen sein. An der Joachimstraße werden die Mieten durchschnittlich zehn Euro pro Quadratmeter betragen. Je nach Lage der Wohnungen in den Viergeschossern liegen sie zwischen 7,50 Euro und 10,80 Euro. 42 Wohnungen werden vermietet, 26 werden verkauft. Zu einem Preis ab 2 700 Euro pro Quadratmeter – ein nicht gerade niedriger, aber für Berlin üblicher Wert für Neubauten. Es soll auch eine Tiefgarage geben.

Man orientiere sich mit dem Projekt auch am örtlichen Bedarf, wie Vorstand Beck sagt: „Weil der Anteil der Menschen in Treptow-Köpenick, die 60 Jahre oder älter sind, derzeit bei rund 30 Prozent liegt, planen wir viele kleine Wohnungen.“ 33 Wohnungen im ersten Bauabschnitt werden zwei bis zweieinhalb Zimmer haben, die Durchschnittsgröße der Wohnungen liegt bei 57 Quadratmetern. Was für den Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), nicht nur für Ältere geeignet erscheint. Er sagte: „Auch für die Studenten der nahe gelegenen Hochschule für Technik und Wirtschaft in Oberschöneweide könnte das ein verlockendes Angebot sein.“

Macht am Mietermarkt

Berlins Staatssekretär für Bauen, Ephraim Gothe, nannte das Projekt „ein wichtiges und schönes Ereignis“. Im vergangenen Jahr seien 49.000 Menschen nach Berlin gezogen, der Zustrom halte an. Neue Wohnungen, auch preiswerte, seien also dringend nötig. Gothe: „Die Degewo und die anderen fünf landeseigenen Gesellschaften sind dabei unsere strategischen Partner.“ Um Mieter besser zu schützen, habe man mit den Gesellschaften ein Mietenbündnis abgeschlossen. Das bedeute für die Bewohner, dass sie über Miethöhen verhandeln könnten, wenn es finanziell mal nicht so gut laufe. Zudem hätten die landeseigenen Unternehmen in den letzten 18 Monaten gut 16.000 Wohnungen zugekauft. Gothe: „Damit wird die Macht der Gesellschaften am Mietermarkt Berlin gestärkt.“

Dass das neue Karree an der Joachimstraße das Gesicht der ganzen Gegend verändern wird, steht fest. Auf der knapp 5 300 Quadratmeter großen Fläche für den 1. Bauabschnitt war einst der Sitz der Köwoge, einer Tochter der Degewo. Nebenan, auf den gut 12.000 Quadratmetern, die die Degewo vom Liegenschaftsfonds gekauft hat, verschwinden verfallene DDR-Baracken sowie eine alte Wochenkrippe.