Degewo in Berlin: Architektenkammer lehnt „Wohnungen von der Stange“ ab

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem die größte kommunale Wohnungsbaugesellschaft Degewo erklärt hat, dass sie durch ein eigenes Planer-Team die Kosten für den Wohnungsneubau erheblich senken könne, hat die Architektenkammer heftig widersprochen – und vor einer „Architektur von der Stange“ gewarnt.

Die Architektenkammer erklärte, sie wolle dem Eindruck entschieden widersprechen, „dass eine professionelle Planung unnötiges Geld verschlinge“. Bei allem Verständnis für den hohen politischen Druck, möglichst schnell möglichst viele Wohnungen zu bauen, müsse die Frage nach der langfristigen Werthaltigkeit der neu entstehenden Bauwerke immer im Vordergrund stehen. Das beste Instrument, um zu einer qualitativ hochwertigen und wirtschaftlich optimierten Planung zu kommen, sei nach übereinstimmender Meinung der Fachleute immer noch „ein Planungswettbewerb“.

Wie berichtet, hat es die Degewo als Erfolg vermeldet, dass durch den Einsatz eigener Planer die Baukosten für ein Projekt am Tirschenreuther Ring in Marienfelde mit 1408 Euro je Quadratmeter um 200 bis 300 Euro niedriger liegen als sonst üblich. Dies führe bei der Miete zu Einsparungen von 70 bis 80 Cent je Quadratmeter. Das unternehmenseigene Planungsbüro Bauwerk übernimmt laut Degewo große Teile der Planung. Das spare Kosten für externe Planer.

Qualität und Innovation durch Konkurrenz

Außerdem werde Zeit gespart, „weil sich Abläufe beschleunigen“. Nach dem neuen Prinzip werden 14 Neubauprojekte der Degewo mit 940 Wohnungen entwickelt. Die neuen Häuser sollen „hinsichtlich ihrer Fläche, Größe und Fassade kosteneffizient gebaut werden“. Dazu gehört, dass Fenster kleiner gestaltet werden, um die sonst nötige Absturzsicherung einzusparen. Auch auf den Bau von Kellern soll verzichtet werden. Abstellräume sollen dafür unterm Dach entstehen.

Die Architektenkammer hält davon nicht viel. „Wenn nun im großen Stil wieder Wohngebäude von der Stange gebaut werden sollen, besteht die Gefahr, dass dysfunktionale Wohnquartiere mit Leerstand und sozialen Problemen entstehen“, warnt die Vertretung der Architekten. „Kleine Fenster und Abstellräume in den attraktivsten Flächen unter dem Dach mögen kurzfristig zu Einsparungen führen; ob es die intelligenten Lösungen von morgen sind, darf bezweifelt werden“, so Kammerpräsidentin Christine Edmaier.

Zwar sei es zu begrüßen, wenn die Degewo eine Bauabteilung mit kompetenten Ansprechpartnern aufbaue. Aber für die Planung selbst führe „die Konkurrenz der freien Büros um den besten Entwurf zu mehr Innovation, Qualität und Wirtschaftlichkeit.“