Ist es nur ein Zufall, dass im Supermarkt das Klopapier-Regal ziemlich leer gefegt ist? Oder geht es schon wieder los mit den Hamsterkäufen, diesmal nicht wegen eines Virus, sondern ausgelöst durch Kriegsangst? Damit wenigstens der Hintern sauber ist, wenn die Russen kommen? Nein, so schlimm ist es noch nicht, jedenfalls nicht in Masse. Das Déjà-vu ist wohl vor allem auf gestiegene Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen, etwa für Zellstoff. Das setzt vielen Herstellern stark zu. Muss man sich mal vorstellen, galten die einst angeblich doch als Profiteure der Pandemie.

Dass man seinen Mitmenschen sogleich zutraut, erneut völlig übertrieben auf eine zugegeben dramatische Weltlage zu reagieren, liegt wohl daran, dass die vergangenen zwei Jahre nicht eben dazu beigetragen haben, den Glauben an die Menschheit zu stärken. Fast genau zwei Jahre liegen inzwischen zurück, da es plötzlich kein Toilettenpapier mehr gab, keine Pasta oder Haferflocken, kaum noch haltbare Milch oder Wasser. So schlimm sind die Zustände im Supermarkt aktuell noch nicht. Dafür ist zu hören, wie sich Leute haufenweise mit Jodtabletten eindecken, um auf einen nuklearen Angriff vorbereitet zu sein. Dass es Menschen mit einer Erkrankung der Schilddrüse gibt, die diese Tabletten tatsächlich akut benötigen, scheint da zweitrangig.

An der Supermarkt-Kasse wettert derweil die Kassiererin beim Bezahlen mit einer Kundin gegen die Masken. Es sei doch nun wirklich an der Zeit, erwachsenen Menschen zuzugestehen, darüber selbst zu entscheiden. Keine Ahnung, ob sie zu jenen gehört, die ihre Freiheit durch die Schutzmaske eingeschränkt sehen; ob sie schon auf Demos gegen die „Corona-Diktatur“ mitgelaufen ist; ob sie sich nun, da nicht ein paar versprenkelte für eine erdacht-gefährdete, sondern Hunderttausende Menschen für die real bedrohte Freiheit auf die Straße gehen, wenigstens ein bisschen beschämt fühlt.

Apropos: Für die kommenden Demonstrationen gegen einen Mann, der sich anderen gegenüber rücksichtslos verhält, wäre es wünschenswert, dass sich alle Teilnehmenden etwas in Achtsamkeit für ihre umstehenden Mitmenschen üben, und ihr eigenes Fortkommen und Auftreten ein bisschen kritischer reflektieren. Dann können wir aufrichtig von gelebtem Zusammenhalt reden.