Am liebsten sieht Cornelia Brune den Kindern zu. „Sehen Sie!“, sagt sie leise bei der Enthüllung der KaDeWe-Weihnachtsfenster und zeigt auf einen blonden Dreikäsehoch, der mit ernstem Gesicht das Hamburg-Fenster studiert. Kinder stehen oft ganz still vor den Auslagen, mit großen Augen, und schauen einfach, manchmal minutenlang.

Es gibt aber auch einiges zu sehen in den zehn Fenstern an der Tauentzienstraße: Die KaDeWe-Weihnachtswichtel sind auf Weltreise, in Kopenhagen, München, Hamburg, Berlin, Wien, Mailand, Rom und Bangkok. Die Städte sind nicht zufällig ausgewählt. Die thailändische Central Group ist seit 2015 Mehrheitseigner der KaDeWe Group, die auch das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München umfasst, und betreibt an allen diesen Standorten Kaufhäuser.

Weniger gelb und heller

Cornelia Brune, 55, zierlich und elegant, spricht mit leiser Stimme und ist beim KaDeWe für alles zuständig, was mit Dekoration und Warenpräsentation zu tun hat. Brune ist echte Berlinerin, aufgewachsen in Treptow, und die Erfahrung, vorm KaDeWe zu stehen und zu schauen, ist auch eine prägende in ihrem Leben – das erste Mal war nach dem Mauerfall 1989. „Ich bin nicht gleich am 9. November hingegangen, da war mir zu viel los, zu viele Menschen“, sagt sie. „Aber am 10. war ich natürlich dort und habe mir alles angesehen.“

Mit geschultem Auge: Brune, damals knapp 26, hatte eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin gemacht und für die „Exquisit-Läden“ gearbeitet. Am KaDeWe fiel ihr das Licht auf, in dem die Waren präsentiert wurden: Es war weniger gelb – und heller.

Seit zwölf Jahren arbeitet Brune nun selbst dort. Wenn sie heute durch das Kaufhaus läuft, dann ist ihr Blick eher auf das gerichtet, was noch nicht ganz sitzt: Irgendetwas ist immer leergekauft oder könnte besser präsentiert werden.

Überzeugt ist sie von der Platzierung des Weihnachtsmanns, der ab dem ersten Adventswochenende in seiner eigenen kleinen Lounge im vierten Stock des KaDeWe sitzt und Süßigkeiten verteilt, direkt gegenüber von der Weihnachtsdeko. „Es glitzert, es glimmert, man fühlt sich heimisch. Es weckt Gedanken an Weihnachten, Kindheit, Geborgenheit. Das strahlt alles mit aus“, sagt Cornelia Brune.

„Wir verkaufen heute über das Gefühl“

Ihr Beruf hat sich über die Jahrzehnte verändert: „Wir verkaufen heute über das Gefühl“, sagt sie. Vollgepackte Schaufenster sind passé, gerade wenn man die gehobene Kundschaft ansprechen will. „Wer braucht denn heute noch etwas?“, sagt Brune. „Den zehnten Kaschmirpullover, noch eine Handtasche?“ Was ein Kaufhaus wie das KaDeWe in Zeiten des Online-Handels bieten kann, ist das Erlebnis. Es geht darum, Emotionen zu wecken, damit die Kunden etwas kaufen, das sie auch zu Hause noch an dieses Gefühl erinnern soll.

Das merkt man auch den Schaufenstern an: Zwar sind einige KaDeWe-Waren darin zu entdecken – auch die Wichtel kann man in verschiedenen Größen kaufen –, aber sie werden sparsam eingesetzt.

Die Kinder, glaubt Cornelia Brune, sind eher von anderen Details fasziniert: die kleine Maus hinterm Reisekoffer, der grüngesichtige Wichtel auf dem Prater-Riesenrad im Wien-Fenster. „Kinder haben einfach einen anderen Blick und entdecken noch neue Sachen, wenn die Eltern schon längst weitergehen wollen“, sagt sie. Aber auch für Erwachsene lohnt sich der zweite Blick: Im Mailand-Fenster beispielsweise sitzen Anna Wintour und Karl Lagerfeld in Wichtelgestalt am Rand des Catwalks. Und in Brunes persönlichem Lieblingsfenster fährt eine U-Bahn (Fahrtrichtung „Wichtelhausen“) zwischen Alex und Wittenbergplatz hin und her. Es ist das Berlin-Fenster. Was sonst.