Demo gegen Gentrifizierung in Berlin-Kreuzberg: Das „Café Filou“ soll bleiben

Berlin - Laute Sprechchöre in der Reichenberger Straße Ecke Glogauer Straße. Knapp 200 Menschen rufen aus vollem Hals „Filou bleibt, Filou bleibt“ und „Grüne Fassade, nichts dahinter.“ Für einen Sonntagmittag ist hier ganz schön viel los. Doch so ist es in Kreuzberg. Es geht schließlich um das Café Filou, für das hier demonstriert wird.

Das Café hat von den Hauseigentümern Charles Skinner und David Evans im Dezember die Kündigung erhalten. Im Sommer müssen die Betreiber Nadja Wagner und Daniel Spülbeck die Räumlichkeiten räumen. Und das nach 15 Jahren. Sie haben drei Töchter. „Das wäre für uns ein realistisches Existenzaus“, sagt Spülbeck der Berliner Zeitung.

Ein Umzug in eine andere Gegend ist für das Ehepaar zu riskant, die Miete anderswo wäre zu hoch, sie wollen nicht weg. Und der Kiez steht ja auch hinter den beiden. Kurzerhand gründete sich die Nachbarschaftsinitiative „Glorreiche“ mit gut 150 Mitgliedern. Es wurden schon 2000 Unterschriften gesammelt. Eine Online-Petition wurde gestartet. Die Initiative Bizim Kiez aus der Cuvrystraße unterstützt die Demo an diesem Sonntagvormittag. Es werden Reden gehalten. Rapper aus Kreuzberg haben eigene Songs für das Filou geschrieben. Immer wieder ist zu hören „Filou bleibt, Filou bleibt!“

Calle Kleine (53) ist Mitglied der Nachbarschaftsinitiative. „Meine Kinder und die Kinder der beiden kennen sich schon ganz lange. Ich wohne seit 30 Jahren in dieser Ecke und kenne alle von Anfang an.

Anwohnerin Carlotta Hilgenstein (26) ist in Kreuzberg geboren und aufgewachsen. Im Café Filou hat sie ihre ersten Schrippen gekauft. „Ich bin gegen Gentrifizierung“,sagt die junge Frau kurz und entschieden. Das Café sei das einzige in der Umgebung, den Menschen würde ein Anlaufpunkt fehlen. Das gehe nicht. Hinter ihr stehen die Polizeiwagen.

Bundestagsabgeordneter Hans- Christian Ströbele (Grüne) hat sich mit den Eigentümern schon auseinandergesetzt. Bisher ohne Erfolg. Die Grünen-Abgeordneten Katrin Schmidberger und Marianne Burkert-Eulitz sind an diesem Sonntagmittag gekommen. „Mietrecht ist eigentlich Bundesrecht, doch das Problem der steigenden Mieten wird in der ganzen Stadt gravierend. Wir müssen mehr Wohnraum schaffen“, sagt Katrin Schmidberger. Sie hat den Eigentümern Charles Skinner und David Evans einen Brief geschrieben und bisher keine Antwort.

Die Betreiber Nadja Wagner und Daniel Spülbeck schenken Café und Suppe an die Demonstranten aus. Sie sind vom Andrang überwältigt, Fernsehen und örtliche Zeitungen sind gekommen. Sie sind gestresst und glücklich zugleich. „Wissen Sie, was es bedeutet, drei Töchter zu haben“, sagt Daniel Spülbeck in eine Fernsehkamera. Die Hausbesitzer sollen ihnen versprochen haben, dass sie bleiben können, erklärt er dann dieser Zeitung. „Als die beiden Eigentümer das Nachbarhaus renoviert und eingezäunt haben, haben wir das ausgehalten und jetzt müssen wir raus“, sagt er. Man munkelt auf der Demo, dass sie die Miete hochtreiben wollen.

Die Gentrifizierung hat Kreuzberg erfasst: Eine Anwohnerin aus der Reichenberger Straße sagt dieser Zeitung, dass sie nach ihrem Einzug in ihre Wohnung dreißig Prozent mehr Miete gezahlt habe als ihr Vorgänger. Am 25. Februar steigt in Kreuzberg die nächste Demo am Heinrichplatz.