Der Demonstrationszug der NPD unter dem Motto "Gegen Polizeiwillkür" fand am frühen Samstagabend am S-Bahnhof Kaulsdorf unter größerem Polizeischutz sein Ende. Zuvor hatte Berlins NPD-Chef Sebastian Schmidtke diese Demonstration angemeldet, um auf die Einhaltung der Demonstrationsfreiheit aufmerksam zu machen. Grund dafür war die vorangegangene Demonstration gegen das Asylbewerberheim in Hellersdorf am Samstagnachmittag, die durch eine Sitzblockade der Gegendemonstranten ihr vorzeitiges Ende fand.

Mit Transparenten " Nein zum Heim" marschierte der 140-personenstarke Aufzug, von denen 85 der rechten Szene zugehörig waren, am Samstagnachmittag durch das Wohngebiet. Organisiert wurde er durch eine anonym im Internet hetzende angebliche Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf.

Mehrere Gegenkundgebungen fanden statt, zu denen unter anderem die Antifa, Linke, SPD, Grüne und Piraten aufgerufen hatten. Nach Polizeiangaben nahmen daran 350 Menschen teil. Die Polizei war zeitweise mit 800 Beamten, darunter auch eine Einheit aus Brandenburg, vor Ort. Straßen im Wohngebiet waren während des Aufzugs gesperrt, zeitweise war auch kein Durchkommen zum U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße möglich.

An der Maxie-Wander/Ecke Etkar-André-Straße kam es zu einer Sitz-Blockade, an der auch die Abgeordneten Regina Kittler von den Linken und Canan Bayram von den Grünen teilnahmen. Aufgrund der Blockade veränderte die Polizei die Route des Demonstrationszuges. Der Aufzug konnte somit nicht mehr zum Asylbewerberheim ziehen. Daraufhin erklärte der Veranstalter die Demonstration für beendet.

Kurz darauf meldete die NPD die neue Demonstration an der Ecke Hellersdorfer Straße / Neue Grottkauer Straße an. Daraufhin besetzten circa 20 Mitglieder der Gegendemonstration auch diesen Straßenbereich, sagte ein Polizeisprecher. Der Demonstrationszug wurde im Folgenden um mehrere Sitzblockaden herumgeführt. Nach Verständigungsversuchen mit den Teilnehmern der Sitzblockaden, sperrte die Polizei den Bereich um den S-Bahnhof Kaulsdorf ab. Die Teilnehmer der Sitzblockaden wurden von den Beamten hinter die Absperrbänder getragen.

Der Umzug wurde mit einer abschließenden Kundgebung am S-Bahnhof Kaulsdorf beendet. Die NPD, die nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes die Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf beeinflusst, hatte das Asylbewerberheim in der Carola-Neher-Straße in den Mittelpunkt ihres Bundestagswahlkampfes gerückt. Die Partei hatte auch zur Teilnahme am Aufzug am Sonnabend mobilisiert. Am Aufmarsch nahmen unter anderem Berlins NPD-Chef Sebastian Schmidtke und seine Lebensgefährtin Maria Fank, ebenfalls aktiver NPD-Kader, teil.

Insgesamt gab es 20 Festnahmen. 14 Personen davon wurden aus der Blockade gezogen. Sechs weitere wurden wegen kleinerer Delikte wie dem Verstoß gegen das Vermummungsgesetz, Körperverletzung oder versuchte Gefangenenbefreiung festgenommen, bestätigte der Sprecher. Festnahmen gab es auf beiden Seiten der Demonstration. Das Hellersdorfer Flüchtlingsheim war im August bezogen worden. Zurzeit leben rund 200 Menschen dort.