Mieten-Demo in Berlin
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Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend in Berlin gegen steigende Mieten demonstriert. Im Dauerregen trafen sich die Demonstranten am Potsdamer Platz und forderten etwa den Stopp von Zwangsräumungen. Die Redner riefen immer wieder zum Abstandhalten auf. Das klappte nicht immer, die Polizei griff aber nicht ein. Die meisten Menschen waren mit Maske gekommen. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im hohen dreistelligen Bereich.

Auf Plakaten waren Sprüche wie „Mieter sind keine Zitronen“, „Bezahlbare Mieten statt hohe Renditen“ und „Wohnen ist Grundrecht“ zu lesen. Ein Redner bezeichnete das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum als Geheimrezept gegen die Corona-Pandemie. Wer Wohnraum habe, stehe sich nicht auf den Füßen.

Bei der Demonstration gab es immer wieder Solidaritätsbekundungen mit Wohnprojekten und Kiezkneipen wie dem „Syndikat“ in Neukölln, die von Zwangsräumungen bedroht sind. Auch das Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ bekam viel Zuspruch.

Vom Potsdamer Platz aus zogen die Aktivisten auf der Potsdamer Straße in Richtung Schöneberg. Der Protestzug war dabei in mehrere Teile geteilt: vorneweg marschierten einige Dutzend vermummte Menschen mit Flaggen antifaschistischer Gruppierungen, die zur Verteidigung der Rigaer Straße 94 und dem Besetzen von leer stehenden Wohnungen aufriefen. Auf einem Plakat war „Nie wieder Miete - Vergesellschaftung statt Profitlogik“ zu lesen. Laut Polizei verlief der Protestzug friedlich, es habe keine Zwischenfälle gegeben.

Umweltaktivisten demonstrieren auf der Spree

Umweltaktivisten der Initiative Extinction Rebellion haben am Sonnabend in Berlin ihre Protestaktionen für die Klimawende auf Fahrrädern und auf dem Wasser fortgesetzt. Auf einem der Boote auf der Spree am Treptower Park war in Anlehnung an die Rettungspakete der Bundesregierung die Forderung „Bail out the planet!“ („Rettet den Planeten“) zu lesen. An der Oberbaumbrücke trafen sich Rad- und Bootsfahrer. Die Aktivisten sehen den „Restart unserer Gesellschaft nach der Corona-Krise“ als Chance für einen Kurswechsel.

Die Umweltschutzbewegung hatte eine Reihe von Protestaktionen für mehr Klimaschutz zwischen dem 12. und 21. Juni in ganz Deutschland angekündigt. Zu den Strategien der Gruppe gehören Aktionen zivilen Ungehorsams wie Flashmobs und Fahrraddemos sowie Brücken- und Straßenblockaden.

Studenten warnen vor Bildungskatastrophe - Demo für Nothilfe

Einige hundert Studenten haben für mehr staatliche Hilfe in der Corona-Krise demonstriert. Viele hätten ihre Jobs verloren und müssten ihr Studium abbrechen, es drohe ein Bildungskatastrophe, hieß es. Vom Hauptbahnhof zogen die Demonstranten unter anderem am Bundesbildungsministerium vorbei.

Die Demonstranten forderten einen Zuschuss in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro. Der Bund stellt für die Nothilfe bisher 100 Millionen Euro zur Verfügung. Die Veranstalter sprachen von rund 500 Teilnehmern, die dem Dauerregen trotzten. Angemeldet war die Demonstration für 1500 Studenten.

Berliner Karstadt-Mitarbeiter protestieren

Vor einigen Filialen in Berlin versammelten sich am Samstagvormittag Menschen, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren. „Karstadt muss am Leo bleiben“, forderte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), vor dem Standort am Leopoldplatz.

Von den geplanten Schließungen bei Karstadt-Kaufhof in Berlin könnten nach Gewerkschaftsangaben rund 1000 von etwa 2100 Beschäftigten betroffen sein. Davon arbeiteten 650 direkt in den Warenhäusern, die übrigen in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros, wie Verdi-Handelsexpertin Erika Ritter am Sonnabend sagte. In Brandenburg seien nach jetzigem Stand 210 von 400 Beschäftigten betroffen.

In der Stadt sollen sechs von elf Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen geschlossen werden. Dazu gehören die Standorte in Charlottenburg, Tempelhof sowie an der Müllerstraße in Berlin-Wedding, im Berliner Ring-Center an der Frankfurter Allee, in Hohenschönhausen sowie die Filiale in den Gropius-Passagen in Neukölln.

Außerdem soll die geplante Filiale in Berlin-Tegel gar nicht erst öffnen. Damit ist auch die Hauptstadt von den bundesweiten Filialschließungen aufgrund der Corona-Krise massiv betroffen. Insgesamt sollen 62 von 172 Filialen schließen.