Mitte - Die Demonstration „Marsch für das Leben“ von Abtreibungsgegnern in Berlin-Mitte hat am Samstag für große Gegenproteste gesorgt. Eine Polizeisprecherin sprach von Teilnehmerzahlen „im unteren vierstelligen Bereich“ auf beiden Seiten sowie bei verschiedenen Störaktionen gegen den Marsch. „Ungefähr 8000 Menschen waren bei uns diesmal dabei - so viele wie noch nie“, sagte eine Sprecherin der Abtreibungsgegner.

Bündnis „What the fuck“ organisierte Gegenprotest

Am „Marsch für das Leben“ beteiligen sich nach Angaben des Veranstalters, der Verein Bundesverband Lebensrecht, neben der katholischen Kirche auch Ärzte- und Juristen-Vereinigungen. Die Demonstranten fordern ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und verweisen dabei auf die „Unantastbarkeit der Menschenwürde“, wie aus der Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht.

Diese „ist besonders dann zu betonen, wenn das Lebensrecht eines ungeborenen oder schwerkranken Menschen in Frage gestellt wird“, wird Kardinal Reinhard Marx darin zitiert.

Eine Gegendemonstration unter dem Motto „Antifeminismus sabotieren – Abtreibung legalisieren“ wurde vom Bündnis „What the fuck“ organisiert. Eine Sprecherin warf den Abtreibungsgegnern vor, in ihrem „christlich-fundamentalistischen Weltbild“ keinen Platz zu haben „für Menschen außerhalb der weißen heterosexuellen Kleinfamilie“.

Es kam zu 140 Freiheitsbeschränkungen und Freiheitsentziehungen

Bereits vor dem Beginn der Demo „Marsch für das Leben“ holten die Beamten vier Störerinnen von der Bühne, die unter anderem einen Laptop beschädigt hatten. Ein gegnerisches Transparent sei an der Bühne entrollt worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. „Das war während einer Schweigeminute für abgetriebene Kinder passiert“, erklärte eine Sprecherin der Abtreibungsgegner. Durch Sitzblockaden sei der Marsch später mehrfach unterbrochen worden. „Wir mussten Gegendemonstranten wegtragen und wegdrängen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Es sei versucht worden, Absperrungen zu durchbrechen. Die Beamten sprachen von „rund 140 Freiheitsbeschränkungen und Freiheitsentziehungen“. Gemeint waren damit Platzverweise, Personenkontrollen und weitere polizeiliche Maßnahmen, unter anderem wegen Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Die Veranstalter kürzten schließlich die Demonstrationsroute für den „Marsch für das Leben“ auf eigenen Wunsch. (dpa)