Berlin - Gut 1400 Menschen haben am Samstag gegen einen Aufmarsch der "Identitären Bewegung" protestiert. Gegen deren Aufzug hatten mehrere linke Gruppen und Initiativen mobil gemacht, es gab an verschiedenen Orten Treffpunkte. Auf den Bannern der Gegendemonstranten stand etwa "Solidarität statt rechter Hetze". 

Mehrere Gegendemonstranten festgenommen

Die Rechtsradikalen hatten ursprünglich geplant, vom Bahnhof Gesundbrunnen über die Brunnenstraße und die Bernauer Straße zum Hauptbahnhof zu ziehen. An der Ecke Stralsunder Straße wurden sie jedoch durch eine größere Sitzblockade gestoppt. 

Die Polizei schritt mit einem Großaufgebot ein und löste die Blockade nach und nach auf. Mehrere Menschen wurden festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zahlen sollten am Sonntag bekanntgegeben werden. Am späteren Nachmittag erklärten die "Identitären" die Demonstration laut Polizei von sich aus für beendet. Zum Hauptbahnhof gelangten die Rechtsradikalen nicht.

Zwischenzeitlich herrschte aggressive Stimmung: Als die "Identitären" Richtung Gesundbrunnen zurückziehen wollten, sahen sie sich durch weitere Gegendemonstranten eingekesselt. Auch diese Blockade wurde jedoch aufgelöst.

"Identitäre" hatten europaweit mobilisiert

Unter dem Motto "Zukunft Europa - bewegen und verändern" hatte die "Identitäre Bewegung"  bereits seit April in den sozialen Medien für ihren Aufmarsch mobilisiert – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern.

Angemeldet worden war die Demonstration, die anlässlich des 17. Juni 1953, dem Volksaufstand der DDR, stattfand, mit 1000 Teilnehmern. Die Polizei zählte am Samstag mehrere hundert rechte Demonstranten. Sie trugen einheitlich gelb-schwarze Fahnen mit dem Logo der Bewegung. Auf einem größeren Banner stand lediglich "Zukunft für Europa".

"Identitäre" vom Verfassungsschutz beobachtet

Die Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hatte mehrfach mit medienwirksamen Aktionen für Aufsehen gesorgt. Im vergangenen Mai versuchten rund 50 Anhänger, sich Zutritt zum Bundesjustizministerium zu verschaffen. Sie protestierten gegen den Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gegen Hass und Hetze im Internet. Maas ist seit längerem eine Feindfigur für die rechte Szene, weil er sich besonders gegen Rechtsextremismus stark macht. 

Die "Identitäre Bewegung" wendet sich gegen eine angebliche "Überfremdung" durch Einwanderer. Im vergangenen August besetzte die Gruppe kurzzeitig das Brandenburger Tor. (kmi/dpa)