Genau 24 dicke rote Punkte prangen auf dem Stadtplan, den Peter Kranz vor sich liegen hat. Sie markieren Treffpunkte an der fast geraden Strecke zwischen Spandau und Hellersdorf. Auf der über 30 Kilometer langen Ost-West-Achse wollen Berliner Vereine und Organisationen am Samstagabend mit der „Berliner Lichterkette“ aus Menschen und Kerzen ein Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen setzen.

Peter Kranz ist pensionierter Pfarrer aus Spandau und Vorsitzender des ökumenischen Zentrums Wilma, das die Aktion vorbereitet. Bei Kaffee und Keksen plant er seit Tagen mit den ehrenamtlichen Helfern im Charlottenburger Vereinsbüro die Route und telefoniert mit den rund 30 Organisationen, die sich bereit erklärt haben, bei der nächtlichen Aufstellung der Unterstützer zu helfen. Peter Kranz hat viele positive Rückmeldungen bekommen, aber er muss immer wieder nachhaken, um konkrete Zusagen zu bekommen. Neben Kiezbündnissen und Bürgervereinen haben auch die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien ihre Hilfe zugesagt.

„Ein starkes Signal an Mitbürger und Politiker“

Damit die Kette um 20 Uhr tatsächlich geschlossen werden kann, braucht es nach Einschätzung der Organisatoren mindestens 20.000 Menschen, die sich mit Windlichtern und Taschenlampen in die Berliner Nacht stellen. Die ehrenamtlichen Helfer sind überzeugt, dass unter dem Motto „Flüchtlinge willkommen – Fluchtursachen überwinden – Lichtzeichen setzen“ viele Berliner mitmachen werden. Mittlerweile gehen die Veranwortlichen davon aus, dass sogar rund 30.000 Menschen die Aktion unterstützen werden.

Die große Herausforderung sei es, Lücken in schwach besiedelten Gebieten in den Außenbezirken und dem Tiergarten zu schließen. Um sich besser verteilen zu können, sollen sich Teilnehmer bereits ab 19.30 Uhr an den Bezirkstreffpunkten einfinden.

So weit so gut – doch was wird erreicht mit der Berliner Lichterkette, die offiziell als Demonstration angemeldet ist? Oder anders gefragt: Was hilft es, eine Kerze anzuzünden, wenn dringend Unterkünfte und Kleidung für ankommende Flüchtlinge gebraucht werden? Peter Kranz nimmt sich diese Frage zu Herzen.

„Es geht darum, ein starkes Signal an Mitbürger und Politiker zu senden“, sagt er. „Wir können stolz auf die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sein. Doch wir haben noch immer viel zu tun.“ Zum einen müssten Ankömmlinge in Deutschland sicher untergebracht werden. Zum anderen müssten Klimawandel, Krieg, Waffenhandel und extreme Armut in den Herkunftsländern der Flüchtlinge bekämpft werden.

Das ist keine Kleinigkeit. Es bleibt zu hoffen, dass das Leuchtsignal der Berliner Lichterkette sein Ziel erreicht.