Berlin - Die Gewerkschaft IG Metall ruft für den kommenden Sonnabend zu einer Großdemonstration vor dem Brandenburger Tor auf. Mehrere 10.000 Mitglieder aus ganz Deutschland sollen unter dem Motto „#Fairwandel“ dafür eintreten, dass Bundesregierung und Unternehmen sich den Herausforderungen von Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung stellen und Arbeitsplätze sichern. Der Veränderungsdruck sei gewaltig, er müsse nicht nur ökologisch, sondern auch sozial bewältigt werden, heißt es in dem Aufruf.

Jörg Hofmann, der Bundesvorsitzende der 2,3 Millionen Mitglieder starken Gewerkschaft, hält die Transformation in eine zukunftssichere Industrie nicht für ein Naturereignis, wie er sagt. Damit sie das Land aber bewältigen kann, sei zweierlei nötig: Zunächst müsse die Bundesregierung endlich aktiv werden, sagt Hofmann. „Wir brauchen massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr – wie soll sonst die Verkehrswende gelingen? Wir brauchen flächendeckend Ladestationen – wer kauft denn sonst E-Autos?“

Zum Zweiten gehen Forderungen an die Industrie und die Regierung. Die Unternehmen müssten nicht nur zukunftssichere Produkte entwickeln, sondern ihre Mitarbeiter auch dafür qualifizieren, diese herzustellen.

Die Politik habe mehr Mittel für die Bildung insgesamt bereitzustellen und ein Recht auf Weiterbildung zu gewährleisten. Hofmann: „Wie sollen wir sonst die Arbeit von morgen erledigen können?“

Große Unternehmen satteln um 

Klaus Abel aus dem IG Metall-Bundesvorstand und ehemaliger Gewerkschaftsvorsitzender in Berlin nennt Beispiele, wer in der Stadt vom Wandel betroffen sei. Das reiche vom Daimler-Motorenwerk in Marienfelde, das noch zu hundert Prozent für Autos mit Verbrennungsmotoren arbeitet, über das BMW-Motorradwerk in Spandau bis zu Pierburg in Gesundbrunnen, wo Ventilsteuerungen für Verbrennungsmotoren hergestellt werden. Dazu kommen Klein- und Mittelbetriebe als Zulieferer. Daimler sei in Marienfelde dabei, auf Produkte für den Elektroantrieb umzustellen, BMW mit einem E-Roller am Start.

„Alle Industrieunternehmen sind in unterschiedlicher Weise betroffen“, sagt Abel. Insbesondere aber die Autoindustrie. „Nach einer Studie von Daimler werden hier fünf von sechs Arbeitsplätzen wegfallen, weil der Herstellungsaufwand für Elektrofahrzeuge geringer ist – insgesamt also mehrere hunderttausend Jobs.“

Große Unternehmen seien dabei umzusatteln. Bosch setze auf Software für autonomes Fahren, Daimler und BMW auf die App-Vernetzung von Verkehrsmitteln vom Fahrrad über das Car-Sharing bis zum ÖPNV und der Bahn. Weitere mögliche neue Produktionen sieht die IG Metall im Bereich Brennstoffzelle: Durch erneuerbare Energie erzeugter Wasserstoff wird darin in Strom umgewandelt und treibt einen Motor an. Eine Technik, die für Lkw im Fernverkehr besser geeignet ist als der Batteriebetrieb.

Denkmäler und Skulpturen verhüllt

Am Montagabend zog eine Gruppe Berliner Gewerkschafter durch die Innenstadt und machte mit einer Verhüllungsaktion auf die Demo aufmerksam: Karl Marx und Friedrich Engels auf dem Marx-Engels-Forum, der Heilige Georg im Nikolaiviertel sowie eine Amazonen-Skulptur auf der Museumsinsel wurden in roten Stoff  gehüllt. Nach Einbruch der Dunkelheit sollten außerdem zwei prominente Gebäude in der City  mit dem Demo-Termin und Parolen  angestrahlt werden: „Klimaschutz vernachlässigt, Digitalisierung verschlafen, Arbeitsplätze verspielt. Jetzt aufwachen!“