Demonstration Rigaer Straße 94: Power-Walking durch Friedrichshain

"Ey, jetzt macht mal langsam, verdammt!“, brüllte aufgebracht ein schwarz gekleideter junger Mann in der Nähe der Rigaer Straße. Es war einer von etwa 4 000 weiteren größtenteils schwarz gekleideten Demonstranten, die am Sonnabend durch Friedrichshain gezogen sind, um gegen die Verdrängung linksautonomer Wohnprojekte, gegen Kapitalismus, gegen Berliner Innenpolitiker und gegen die Berliner Polizei zu protestieren. Dieser junge, etwas übergewichtige Demonstrant rief das aber nicht irgendwelchen von ihm kritisierten Polizisten hinterher, sondern seinen Demonstrationsgenossen. Die waren alle viel zu schnell für ihn.

Die „Für Freiräume-Demo“ ist in der Tat in sehr schnellem Tempo durch Friedrichshain gezogen, mehr als sechs Kilometer wurden in anderthalb Stunden zurückgelegt. Laut Polizei verlief die Demo weitgehend störungsarm. Bilanz: 4 000 Teilnehmer und 1 200 Polizisten waren im Einsatz, vereinzelt wurden Böller gezündet, Flaschen und Steine auf Polizeikräfte- und wagen geworfen. Fünf Beamte wurden dabei verletzt, konnten aber im Dienst verbleiben. Zwei Demonstranten wurden fest genommen.

Die Strategie der Polizei, starke Präsenz zu zeigen, wirkte. Die Demo blieb weitgehend friedlich. Gerechnet hatte damit niemand, zu angespannt war die Lage im Vorfeld: Linksautonome fühlen sich von der Staatsgewalt unterdrückt, weil die Rigaer Straße als „gefährliches Gebiet“ deklariert wurde. Die Polizei hingegen will keine rechtsfreien Räume dulden, vor ein paar Wochen wurde im Linke-Szene-Kiez ein Polizist beim Knöllchenschreiben von mehreren Autonomen attackiert.

Ihren Anfang nahm die Demo in der Gürtelstraße gegenüber einer Notunterkunft für Flüchtlinge. Einer der Flüchtlinge fragte einen Sicherheitsbeamten der Notunterkunft auf Englisch, ob es für ihn sicher sei, auf die Straße zu gehen. Der Security-Mitarbeiter sagte: Yes. Refugees welcome.

Dann zog die Demo los. Passanten schauten sich das an, aus Restaurants kamen Menschen um Selfies mit dem Demo-Zug zu machen, kleine Kinder weinten, wenn Böller explodierten, Bengalo-Feuer wurden auf Hausdächern gezündet. Kurz vor dem geplanten Endpunkt löste der Veranstalter die Demo jedoch auf, unklar ist warum. Schnell war es zu Ende.