Berlin - Erstmals haben am Freitag in Berlin taubblinde Menschen für mehr Rechte demonstriert. Während des Marsches hatten sich die rund 400 Teilnehmer schwarze Luftballons ans Bein gebunden. Sie symbolisierten angekettete Eisenkugeln, um zu zeigen, dass Taubblindheit wie Isolationshaft wirkt, wenn Unterstützung fehlt. Die Demonstranten, die von Betreuern begleitet wurden, gingen als „schweigende Menschenkette“ vom Platz der Republik am Reichstag zum Potsdamer Platz.

Nach Schätzungen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) gibt es bundesweit 2500 bis 6000 taubblinde Menschen, die nicht angemessen mit Hilfsmitteln und Assistenzleistungen versorgt würden. 2007 sei deshalb erstmals gefordert worden, dass die Betroffenen ein spezielles Merkzeichen „Tbl“ im Schwerbehindertenausweis erhalten.

Damit könnten Taubblinde unter anderem bei Behörden schneller belegen, dass sie besondere Hilfsmittel und Assistenz benötigen, hieß es. Dies sei jedoch in der vergangenen Legislaturperiode des Bundestags nicht gelungen.

Das diakonische Oberlinhaus in Potsdam fördert seit 1887 blinde Menschen ohne Gehör und gilt als Pionier der Taubblindenarbeit. Die Einrichtung kritisierte, trotz vieler Initiativen, Gespräche und politischer Bemühungen in den vergangenen zehn Jahren habe sich an der Situation der Betroffenen nichts geändert. Taubblinde Menschen hätten ohne qualifizierte Assistenz keine Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und eine selbstbestimmte Lebensführung. (epd)