Eine Woche vor dem 1. Mai ist die Strecke der abendlichen Demonstration linker und linksradikaler Gruppen durch Berlin-Kreuzberg noch strittig. Die Veranstalter der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration wollen weiter an der von Flüchtlingen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule vorbeilaufen. Das kündigten sie am Donnerstag im Internet an, wo sie die geplante Route unter anderem durch die Ohlauer Straße veröffentlichten. Die Polizei lehne diesen Teil der Strecke aber ab, sagte ein Sprecher der Veranstalter der Deutschen Presse-Agentur.

Offenbar befürchtet die Polizei wegen des brisanten Flüchtlings-Themas Gewaltausbrüche von linksautonomen Demonstranten nahe der Schule. Auskünfte zu den Demonstrationen am 1. Mai und ihrer Strategie will die Polizei aber erst bei einer Pressekonferenz an diesem Freitag (24. April) geben.

Beim Endpunkt der Demonstration setzten sich die Veranstalter nach eigenen Angaben mit ihrem Wunsch Lausitzer Platz durch. Dort kam es nach früheren Demonstrationen am 1. Mai mehrfach zu Ausschreitungen. Auch die ersten Gewaltausbrüche am 1. Mai 1987 begannen nach einem Straßenfest auf dem Lausitzer Platz.

Zahlreiche kritische Stellen

Der Startpunkt am Spreewaldplatz (18.00 Uhr) stand schon fest. Die Strecke soll zum Hermannplatz in Neukölln führen. Von dort geht es über den Kottbusser Damm, die Mariannenstraße und die Skalitzer Straße wieder zurück zum Lausitzer Platz nahe dem Ausgangspunkt. Seit Wochen verhandeln die Anmelder der Demonstration und die Polizei über den Verlauf.

Besonders der zweite Teil der Demonstrationsroute könnte aus Sicht der Polizei zahlreiche kritische Stellen enthalten. Der Demonstrationszug würde ganz in der Nähe des großen Straßenfestes Myfest in der Oranienstraße vorbei laufen, wo Zehntausende Menschen feiern. Schon früher solidarisierte sich bei Gewaltausbrüchen ein Teil des Partyvolkes mit den Randalierern.

Die Veranstalter erwarten nach eigenen Angaben 25 000 bis 30 000 Teilnehmer. Themen seien in diesem Jahr der „Widerstand gegen Umstrukturierung, Verdrängung und steigende Mieten sowie die Solidarität mit den Kämpfen der Geflüchteten gegen die „Festung Europa“.

Im vergangenen Jahr zogen 20 000 Menschen durch Kreuzberg. Obwohl einzelne Randalierer Flaschen und Steine warfen, verlief der Abend ähnlich wie in den Vorjahren und weit weniger gewalttätig als noch vor zehn Jahren.

An diesem Sonntag wollen linke Gruppen erneut ein „Demotraining“ veranstalten. „Dabei soll u.a. gezeigt werden, wie man in „Ketten“ läuft, oder wie man sich bei Festnahmen verhält - wie man einen Block organisiert, der auch Angriffen der Polizei standhalten kann“, hieß es in einer Ankündigung. Weil die Veranstaltung öffentlich sei, folgte ein Hinweis: „Wir würden euch also im Zweifelsfall empfehlen eine Sonnenbrille und eine Mütze mitzubringen, wenn ihr nicht erkannt werden möchtet.“
Bereits am Vorabend des 1. Mai ist eine Demonstration in Wedding angemeldet. Bis dahin planen verschiedene Gruppen und Initiativen eine Aktionswoche mit einem Kiezrundgang, Diskussionsveranstaltungen und Filmvorführungen. (dpa)