Hunderttausende Menschen haben am Freitag im Iran an staatlich organisierten Kundgebungen gegen den politischen Erzfeind Israel teilgenommen. Zu den landesweiten Straßendemonstrationen hatte das Establishment anlässlich des jährlich stattfindenden Al-Kuds-Tages aufgerufen. Auch in Berlin ist eine Al-Kuds-Demonstration angekündigt - und Gegendemos. 

Die Al-Kuds-Demonstration beginnt um 14.30 Uhr am Adenauerplatz und endet am Wittenbergplatz. Viele hundert Menschen wollen gegen die anti-israelische Demonstration protestieren. Angemeldet sind zwei Kundgebungen am Kurfürstendamm, die sich für Israel und gegen Antisemitismus richten. 

Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Aus Solidarität mit den Palästinensern findet im Iran jedes Jahr am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan eine solche Kundgebung statt. Anlass ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechs-Tage-Krieges 1967. Der Iran erkennt Israel nicht an und betrachtet dessen Regierung als Wurzel aller Probleme im Mittleren Osten.

Machtdemonstration mit Mittelstreckenraketen

In diesem Jahr wurden auf der Revolutionsstraße in Teheran auch die zwei Mittelstreckenraketen Sulfaghar und Schahab-3 ausgestellt. Mit Sulfaghar-Raketen hatten die Revolutionsgarden letzte Woche Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien beschossen. Die Schahab-3 hat iranischen Angaben nach eine Reichweite von 1200 Kilometern und könnte daher auch Israel treffen.

Auch Präsident Hassan Ruhani nahm an den Demonstrationen teil. Es kam jedoch kurzfristig zu einem Eklat, als einige Hardliner ihn beschimpften. „Wir wollen keinen amerikanischen Islam und auch keinen amerikanischen Mullah“, schrien sie. Ruhani ignorierte das. Der amerikanische Islam ist im Iran ein Begriff für die Politiker, die vom Revolutionskurs auf einen pro-westlichen Weg biegen oder - so der Vorwurf der Hardliner - sich dem Westen fügen wollen. (dpa/BLZ)