Unsinnlicher kann der Name kaum sein: Ein „Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung“ sollten zuletzt noch neun Studierende der Berliner Universität der Künste für den Schwulen- und Lesbenverband Deutschland (LSVD) entwerfen. Eineinhalb Jahre kämpften sie mit dem Wortungetüm und dem ähnlich überladenen Anforderungsprogramm.

Seit Jahren kämpft der LSVD für ein Denkmal, dass an den bedeutendsten Sexualreformer der Kaiserzeit und Weimarer Republik, Magnus Hirschfeld, erinnert. Zugleich soll es auch das von ihm 1919 begründete, einst weltberühmte und von den Nazis 1933 zerstörte Institut für Sexualwissenschaften ins historische Bewusstsein zurück holen.

Jury-Entscheid am 13. November

Es arbeitete in der Villa Joachim „In den Zelten 10“, also zwischen dem heutigen Kanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt. Schließlich soll auch noch die erste Schwulen- und Lesbenbewegung der Welt geehrt werden – historisch etwas ungenau, hat sich doch Hirschfeld keineswegs nur für sexuelle Minderheiten eingesetzt, sondern auch gegen Frauendiskriminierung oder Rassismus gefochten.

Ein Resultat der Arbeit des LSVD war, dass 2003 der an der Nordseite der Spree in Moabit gelegene Uferweg nach Hirschfeld benannt wurde. Warum nicht der gegenüber im Tiergarten liegende Uferweg, der an der historischen Arbeitsstätte des Instituts vorbeiführt, auch nach ihm benannt wurde, bleibt ein Rätsel Berlinischer Erinnerungspolitik. Der LSVD behauptet, das „Andere Ufer“, mit dem Schwule und Lesben oft bezeichnet würden, sei damit adäquat ausgedrückt. Lassen wir das dahin gestellt.

Ab Freitag sind nämlich die fünf von den Studierenden gemeinsam entwickelten Entwürfe im Haus der Kulturen der Welt zu sehen. Bevor die Jury am 13. November die Siegerarbeit auswählt, hat endlich auch einmal das Publikum ein Wort in einem Wettbewerb mitzureden.

Gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten

Die Entwürfe sind durchweg heiterer Stimmung. Sie steht durchaus im Kontrast zu dem harten und bis zur endgültigen Aufhebung des Paragrafen 175 durch den Bundestag 1994 – die DDR hatte diesen Schritt schon 1988 getan – erfolglosen Kampf gegen die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten.

Da sind mit regenbogenfarben geschmückte Sitzstufen zu sehen, die an die sehr umstrittene These von den „Zwischenstufen“ sexueller Identitäten erinnern sollen; eine an ein Spielplatzgerät erinnernde, überbordende „Welle“ aus Metallstangen, an die Erinnerungszettel geheftet werden können; ein regenbogenfarbig leuchtendes, das Licht aus einer Straßenlaterne filterndes Prisma, das die Frage aufkommen lässt, wie die Besucher es bei Tageslicht erleben werden; schwarz gefasste Metallplatten, bei denen die Farbe nach Kratzen an der Oberfläche hervorkommt, und bunte Kelche, die an die zweigeschlechtliche Blüte der Calla-Lilie anschließen.

Ein Rätsel aber kann keiner dieser Entwürfe auflösen: Warum soll dieses Denkmal an einem Ort entstehen, der rein gar nichts mit den Ereignissen oder Personen zu tun hat, an die es erinnern soll?

Ausstellung bis 15.11., 10–19 Uhr,. Haus der Kulturen der Welt. Eintritt frei.