Der berühmteste Torbogen der Stadt feiert Geburtstag: Am kommenden Samstag wird das Brandenburger Tor 225 Jahre alt. Am 6. August 1791 fielen die Gerüste an dem Bauwerk und die Berliner spazierten erstmals hindurch. Pünktlich zum Jubiläum wird nun Ärger laut: Die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft hat im Berliner Abgeordnetenhaus eine Petition eingereicht, um einen besonderen Schutz für das Denkmal zu erwirken und Großveranstaltung vom Brandenburger Tor fernzuhalten.

"Heute wird das berühmteste deutsche Baudenkmal als Kulisse für Großveranstaltungen zweckentfremdet", heißt es in dem Anliegen der Gesellschaft, die in Berlin das Erbe des Brandenburger-Tor-Architekten Langhans pflegt. Zuletzt logierten die Bühnen und Stände etwa der Fußball-Fanmeile, des Christopher Street Days und des Deutsch-französischen Fests in direkter Nähe zum Torbogen.

"Der Blick durch das Brandenburger Tor, die Sichtachse vom Pariser Platz bis zum Tiergarten mit Siegessäule und weiter bis zur tiefen westlichen Horizontlinie, gehören zum Denkmalbereich Brandenburger Tor", heißt es in der Petition. Die Gesellschaft fordert, diesen Blick dauerhaft möglich zu machen - und in der Konsequenz auf Feste und Veranstaltungen dort zu verzichten.

„Als Berlinerinnen und Berliner wollen wir das Tor sehen und durchqueren können. Berlin ist es sich und der Welt schuldig, dieses einzigartige Bauwerk mit mehr Achtung und Vorsicht zu behandeln", sagt Gesellschaftsvorstand Frank Prietz. Sattelschlepper, Bühnenaufbauten und Musikbeschallung könnten vorhandene Schäden am Brandenburger Tor verstärken. Auch der Verkehrsfluss auf der Ost-West-Achse durch Berlin würde durch die Veranstaltungen häufig beeinträchtigt. Die Gesellschaft gibt an, dass beispielsweise die Straße des 17. Juni an mehr als 100 Tagen im Jahr gesperrt ist.

Inflationäres Symbol?

Die Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten, die als Träger des Bauwerks auftritt und Anträge zur Nutzung bearbeitet, hat durchaus Verständnis für die Forderung der Gesellschaft. "Es ist ein legitimes Anliegen, das Brandenburger Tor nicht inflationär als Symbol zu gebrauchen", sagt Sprecher Diedrich Wulfert. Das Land arbeite aktuell daran, einen Kriterienkatalog für Ereignisse aufzustellen, die den Torbogen einbeziehen dürfen.

In die Verantwortung des Senats fallen aber nur Nutzungswünsche, die das Bauwerk selbst betreffen, etwa eine Beleuchtung in Landesfarben als Geste der Anteilnahme nach einem Terroranschlag. Großveranstaltungen wie die Fanmeile im umliegenden Gebiet genehmigt die Verkehrslenkung Berlin unter Einbezug von Polizei, Feuerwehr und dem Bezirk Mitte.

Keine Veranstaltungen, sondern Demos

"Wir sprechen unsere Empfehlung anhand von einem Positiv-Negativ-Katalog für Sondernutzungen aus", sagt Mittes Stadtrat Carsten Spallek (CDU). "Es handelt sich meist um Veranstaltungen künstlerischer, sportlicher oder kultureller Natur, die für Berlin von Bedeutung sind." Spallek betont jedoch, dass die Events rund um das Brandenburger Tor oft gar nicht als Veranstaltungen angemeldet seien, sondern als Demonstrationen. Die Polizei entscheidet in diesem Fall allein über die Zulassung. 

Grundsätzlich befürwortet der Bezirksstadtrat das Anliegen, weniger Veranstaltungen auf der Straße des 17. Juni und dem Pariser Platz stattfinden zu lassen. "Allerdings ist die Forderung, den Blick entlang der Sichtachse dauerhaft freizuhalten, zu absolut. Einige Veranstaltungen mit Bühnen wird es dort immer geben, zum Beispiel die Silvesterparty." Spallek spricht sich für einen runden Tisch mit der der Verkehrslenkungen überstehenden Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Bezirk, Veranstaltern und anderen betroffenen Akteuren aus. Nur gemeinsam könne entschieden werden, welche bestehenden Brandenburger-Tor-Events den Standort wechseln sollten.

Keine Tendenz abzusehen

Der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses hat das Anliegen der Langhans-Gesellschaft mittlerweile auch an die zuständigen Senatsverwaltungen weitergeleitet und sie um einen Stellungnahme gebeten. Im Durchschnitt dauert es im Anschluss etwa einen Monat, bis über Petitionen entschieden wird. Eine Tendenz, ob die Genehmigungspraxis für Veranstaltungen dann geändert werden könnte, kann der Ausschuss aktuell noch nicht geben.