Mühlenbeck - Und es dreht sich doch. Die kleine Schleuse wird geöffnet und das Wasser des Mühlbaches schießt auf das Mühlenrad. Das nagelneue Rad aus Edelstahl und Lärchenholz ist drei Meter hoch und setzt sich langsam in Bewegung. Ein Dutzend Leute stehen neben dem alten, ziemlich desolaten Gemäuer in Mühlenbeck (Oberhavel) und freuen sich sichtlich. Es ist ein Probelauf für die Einweihung des neuen Wasserrades am Wochenende – und vor allem ist es der Beweis, dass sich der Kampf und das bürgerschaftliche Engagement der 106 Mitglieder gelohnt haben.

Abreißen oder vermarkten

„Viele Jahre lang wurden wir für Spinner gehalten“, sagt Vereinschef Claus Schwartzer. Die Gemeinde habe nicht in die Ruine der von Zisterziensermönchen gegründeten Mühle investieren wollen. Sie war bis 1975 in Betrieb gewesen und dann verfallen. Nach der Wende sollte sie abgerissen oder vermarktet werden. „Wir aber wollten und mussten sie erhalten“, sagt Schwartzer.

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„Den Standort der Mühle gibt es seit 1224. Wegen ihr heißen wir Mühlenbeck und die Großgemeinde Mühlenbecker Land, in unserem Wappen ist ein riesiges Wasserrad, die S-Bahnstation heißt Mönchsmühle – da kann man doch die älteste Wassermühle Brandenburgs nicht einfach verfallen lassen.“ Deshalb investierten die Mitglieder bislang 4.000 Arbeitsstunden, sammelten 700.000 Euro an Spenden und Fördermitteln, deckten das 600 Quadratmeter große Dach neu, legten 750 Quadratmeter neue Fußböden und verbauten 60 Kubikmeter Holzbalken, um das Gebäude vor dem Einsturz zu bewahren. Zuletzt besorgten sie 160.000 Euro für das neue Wasserrad, um damit Strom für die Mühle selbst und drei Haushalte zu erzeugen.

„Es müsste sich ewig drehen, bis sich die Kosten wieder amortisieren“, sagt Patricia Block vom Verein. „Aber uns geht es um das Symbol: Es ist die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft: Moderne Energieerzeugung an einem so historischen Ort. Vor allem aber ist es das sichtbare Zeichen für die Leute im Ort und in der Region: Hier bewegt sich wieder was.“

Tausende Fördervereine

Der Förderverein Historische Mönchmühle ist einer von tausenden im Land. Sie alle sind ein wichtiges Rückgrat des gesellschaftlichen Lebens in den Gemeinden. Eines der prägnantesten Beispiele sind die 281 Fördervereine, die für den Erhalt alter Dorfkirchen kämpfen. „Ohne das bürgerschaftliche Engagement dieser Vereine würde es landesweit einige dutzend Kirchen nicht mehr geben“, sagt Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, einer Art Dachverband.

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Die Initiativen seien meist in jenen kleinen Orten aktiv, in denen es sich die Kirchengemeinden nicht leisten können, die alten Gotteshäuser zu erhalten. „Da schließen sich die Leute dann zusammen und packen an – da stellen sich dann oft auch erklärte Atheisten hin und sagen: Die Kirche soll im Dorf bleiben.“ Solche Vereine würden nicht nur viel Arbeit übernehmen, sie seien auch wichtig, um Geld zu bekommen. „Den Fördermittelgebern geht es nicht nur darum, wie kaputt ein Objekt ist, sondern wie es später genutzt wird“, sagt Janowski. „Da sind die Vereine ganz wichtig.“

Konzerte, Ausstellungen und Gastronomie geplant

Inzwischen wird die Rettung der Mühle in Mühlenbeck auch von der Verwaltung unterstützt, denn der alte Bürgermeister ist abgewählt. „Es ist der einzige Verein, in dem ich Mitglied bin“, sagt der neue Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD). „Denn das Gemeinwesen kann nur von engagierten Bürgern zum Leben erweckt werden, deshalb helfen wir dem Verein jetzt.“ So gab es 100.000 Euro für neue Fenster und die Fassadensanierung. „Früher waren die Idealisten in der Minderheit, nun nicht mehr“, sagt er. Die alte Mühle soll nicht nur Museum sein. „Wir wollen das kulturelle Zentrum der Gemeinde werden“, sagt Patricia Block.

Es soll Konzerte, Ausstellungen und Gastronomie geben. Die Mühle soll auch Treffpunkt für die vielen anderen Vereine der Region werden. „Aber wir benötigen bestimmt noch zwei Millionen Euro“, sagt Vereinschef Schwartzer. „Der Weg ist also noch weit.“