Die Menschen, die anderen beim Gesundwerden helfen, sind selbst besonders häufig krank – das ist eines der zentralen Ergebnisse in der statistischen Auswertung des aktuellen DAK-Gesundheitsreports für Berlin.

4,9 Prozent beträgt der Krankenstand im Berliner Gesundheitswesen, es ist der höchste Wert aller Berufsgruppen. „Gerade bei Pflegern, aber auch bei Ärzten kommen mehrere Risikofaktoren zusammen“, sagte Susanne Hildebrandt vom Beratungsinstitut IGES, das den Bericht im Auftrag der DAK erstellte. Zum psychischen Druck durch Stress und Schichtdienste kämen physische Belastungen.

Statistisch ist jeder Beschäftigte in Kliniken und Praxen jeweils vier Tage pro Jahr wegen psychischer Leiden oder wegen Erkrankungen am Muskel-Skelett-System krank geschrieben – also wegen Rückenschmerzen, Zerrungen oder ähnlichen Leiden. Doch die Realität hat insbesondere bei den psychischen Erkrankungen wenig mit der Statistik zu tun. „Die Dauer der Krankschreibung ist in diesen Fällen häufig sehr lang, im Durchschnitt rund 30 Tage“, sagte Hildebrandt. Das sei mehr als bei Krebserkrankungen.

Zu wenig Prävention

Eine besondere Risikogruppe für psychische Erkrankungen sind die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Rund 3,3 Krankheitstage pro Beschäftigten registrierte die DAK – das ist der zweithöchste Wert aller Berufsgruppen. Beim Senat ist das Problem erkannt – noch geschieht allerdings wenig. „Uns ist keine Besserung bekannt“, sagte die Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Daniela Ortmann, der Berliner Zeitung.

Es fehle an präventiven Maßnahmen, um Stress zu verringern und Erkrankungen vorzubeugen. Auch die Wiedereingliederung von Langzeiterkrankten müsse besser werden.

Nach Berechnungen der Finanzverwaltung ist der Krankenstand im öffentlichen Dienst des Landes in den vergangenen Jahren um fast zwanzig Prozent gestiegen. Waren die Bediensteten 2007 noch durchschnittlich an 30,9 Kalendertagen pro Jahr krank geschrieben, so waren es acht Jahre später 37 Tage. Ein wesentlicher Faktor hinter dieser Entwicklung ist nach Ortmanns Einschätzung die Überalterung der Belegschaft. „Zugleich müssen die Kollegen deutlich mehr leisten, weil Stellen abgebaut wurden.“