BerlinEs war abzusehen, dass der 1. FC Union in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einer liebgewonnenen Tradition brechen muss. Ein volles Stadion, dessen Innenraum auch noch komplett mit Menschen besetzt ist – in diesen Tagen undenkbar, weil das Einhalten der derzeit gebotenen Abstandsregeln in so einer Situation unmöglich wäre. Zudem ein Chor aus Tausenden, der über Stunden hinweg immer wieder zum Gesang anhebt – in diesen Tagen undenkbar, weil das Singen wohl aus gutem Grund unter Superspreader-Verdacht steht. Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen des Vereins darauf gehofft, dass es für den 23. Dezember zumindest noch ein Notprogramm geben könnte. Nun allerdings ist es Fakt: Das Weihnachtssingen der Eisernen, geplant für den Vorabend des Weihnachtsfestes im Stadion an der Alten Försterei, fällt in diesem Jahr aus. 

In einer offiziellen Mitteilung des Klubs hieß es: „Das traditionelle Weihnachtssingen der Unioner hätte in diesem Jahr zum 18. Mal stattgefunden, doch statt Lichterglanz und Gesang bleibt das Stadion An der Alten Försterei am 23. Dezember 2020 still und dunkel. Der Corona-Pandemie fällt auch dieser besinnliche und beliebte Termin eines jeden Union-Jahres zum Opfer, da die Eindämmungsmaßnahmen große Menschenmengen nicht zulassen, um die weitere Ausbreitung des Virus möglichst wirksam zu unterbinden.“

Die im Jahr 2003 aus dem Kreis des Fanclubs „Alt-Unioner“ geborene Idee hatte in den vergangenen Jahren viele Nachahmer gefunden. Auch Klubs wie Borussia Dortmund, der 1. FC Köln, Schalke 04 und viele andere Erst- und Zweitligisten rufen ihre Fans seit geraumer Zeit mit vergleichbaren Aktionen auf den Plan. Im Westfalenstadion in Dortmund zählte man zuletzt sogar über 50.000 Weihnachtssänger. Und doch blieb das Original aus Berlin-Köpenick, auch wenn es sich letztendlich zu einem Großevent mit sechsstelligem Budget entwickelt hatte, das Maß aller Dinge. 28.500 Menschen, verbunden durch die Kombination aus Liebe zum Klub und Vorfreude auf das heilige Fest, emotionalisiert im Kollektiv, sodass man sogar als Fernsehzuschauer nachhaltig bewegt wird. Es ist halt doch nicht entscheidend, was man macht, sondern wie und wer es macht. Kein Wunder jedenfalls, dass die Veranstaltung auch international Beachtung erfahren hat. 

Durch die Absage ist übrigens auch der rbb um einen Quotenbringer ärmer. Als Ersatz soll es am 23.12. um 20.15 Uhr ein Best-of-Weihnachtssingen aus der Konserve geben. Was nach so einem Jahr doch wohl eher einen komischen Eindruck erwecken dürfte. Der Verein wiederum will mit einem „Weihnachtssingen-Paket“, erhältlich ab Mitte Dezember in den Fan-Shops, den Anhängern die Gelegenheit bieten, sich für ein Weihnachtssingen á la Union im kleinen Kreis auszurüsten. Das Trostpflaster enthält ein Liederheft, eine Kerze mit Tropfschutz, Streichhölzer, eine Weihnachtsmütze und einen Fan-Schal.