Friedrich II. in seiner Bibliothek, Gemälde von Anton Friedrich König.
Foto: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Berlin"Weeßte wat, dit gloobste nich. Et jibt ’ne heilije Corona“, erzählt mein alter Schulkumpel, der wie ich zu Hause hockt, am Telefon. „Die soll vor 1 800 Jahren jelebt haben und is Schutzpatronin der Fleischer, und Schatzgräber. Se soll übrijens ooch vor Jeldnot schützen und vor Seuchen. Ausjerechnet! Corona schützt vor Corona!“

Ich guckte nach. Im Internet steht tatsächlich einiges über eine heilige Corona. Ein Teil ihrer Gebeine soll in Aachen liegen. Ihr Gedenktag ist der 14. Mai. Und sie soll wohl wirklich vor Seuchen schützen – auch vor Unwetter. Beim nächsten sommerlichen Orkan können wir sie wieder hervorholen. Falls die Corona-Stubenhockerei bis dahin vorbei ist.

Apropos Stubenhockerei: Es ist schon witzig, was Prominente und solche, die sich dafür halten, vor ihren heimischen Bildschirmen so treiben – ungekämmt, blass, in Strickjacken, mit „Latschen anne Beene“. Der US-Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger sitzt zum Beispiel in seiner Wohnküche vor einem Regal mit kitschigem Nippes. Neben ihm stehen Zwergpony Whiskey und Esel Lulu. Und er sagt: „Wir gehen nicht aus. Wir gehen in keine Restaurants. Wir tun nichts dergleichen mehr hier.“ Da fragt man sich: Geht der sonst mit Pony und Esel ins Restaurant?

Elton John präsentiert seine Küche, in der eine rote Espressomaschine steht. Auf der Nase hat er eine rote Sonnenbrille. Coole Kombi! Und der Pianist Igor Levit spielt Mozart auf dem Klavier, indem er die Arme rückwärts über die Schultern kreuzt.

Hier lümmle ich. Ich kann nicht anders

Da fällt mir ein: Wie wäre es, wenn historische Persönlichkeiten in eine ähnliche Situation geraten wären und solche Stubenhocker-Selbstdarstellungen hinterlassen hätten? Dann könnte man vielleicht heute folgendes hören:

Martin Luther, 1521: „Hallo, Freunde! Ihr habt mich auf dem Reichstag in Worms vermisst? Ja, eigentlich wollte ich dort auftreten, um dem Kaiser zu erklären, dass ich kein Ketzer bin, sondern recht habe. Doch nun ist nichts draus geworden. Ausgangssperre! Die Studenten dürfen auch nicht kommen. Katharina bekocht mich. Stinklangweilig. Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz. Reformation adé! Hier lümmle ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen!“

Napoleon, 1806: „Boah, immer diese Sandkastenübungen in der Bude! Der Generalstab spielt Karten. Joséphine hat Migräne. Vor der Tür steht ein biestiger alter Gendarm und passt auf, dass wir nicht rausgehen. Wie soll man da Krieg führen, die Welt erobern? Was kann dieses Virus, was ich nicht kann? Merde!“

Der Alte Fritz, 1780: „Wat? Ick darf nich in’ Park raus mit meene Hunde, meene Windspiele? Da hopst dit Virus rum? Incroyabel! Skandalös! Den janzen Tach in Puschen. Wo is Voltaire, wenn man ihn mal braucht? Wo is meene Flöte? Schnell, her damit! Ick muss mir een dudeln!“ Ja gut, Fritze hat gar nicht so berlinert, eher französiert. Aber in Heimquarantäne gelten sowieso andere Gesetze.

Und dann noch eine aktuelle Nachricht vom unsterblichen Bismarck: „Grüße vom Alten im Sachsenwald. Ich sitze hier und lache pausenlos. Einst habe ich mit viel Mühe das Sozialistengesetz auf den Weg gebracht, gegen die gefährlichen Umtriebe der Sozen. Sobald sich drei Leutchen auf der Straße zusammenrotteten, ging ein Schutzmann mit dem Knüppel dazwischen und rief: ,Auseinandergehn!‘ Und ihr? Ihr mach das freiwillig! Hahaha. Oh, heilige Corona! Ihr braucht mich gar nicht mehr.“