Berlin - Sie sind schnell, tragen würfelförmige Rucksäcke in Blau oder Orange und liefern fertiges Essen aus Restaurants bis an die Haustür. Vor allem seit Corona prägen die professionellen Veloisten der Lieferdienste das Berliner Stadtbild. Moritz Heininger sähe es jedoch am liebsten, würden sie ebenso schnell verschwinden wie sie kamen. „Fahrradkurier ist ein Job aus dem vorigen Jahrhundert“, sagt er.

Für den Chef und Gründer der Berliner Bestellplattform Discoeat steckt die Zukunft des Lieferdienstes in einer vierrädrigen Kiste, die neuerdings im nahen Umfeld des Hauptbahnhofs unterwegs ist. Denn wenn derzeit via Discoeat Burger und Fritten beim Burgerbrater Peter Pane in der Invalidenstraße bestellt werden, liefert ein Roboter namens Discopeter im Umkreis von etwa eineinhalb Kilometern.

Peter Pane
Elektrisch angetrieben und beheizt.

Der Kunde muss allerdings bereit sein, die Bestellung auf der Straße entgegenzunehmen. Denn noch kann das fahrerlose Lieferfahrzeug keine Treppen steigen. Zudem gilt für den Roboter ein strenges Tempolimit. Mit maximal 6 km/h darf er auf dem Bürgersteig unterwegs sein. Mehr lässt die eigens erteilte Sondergenehmigung der Stadt nicht zu. Heininger spricht von Lieferzeiten zwischen 15 und 20 Minuten, die der Burger in der Wärmebox überstehen muss. Der Schnellste ist Discopeter also nicht. Aber dafür erwartet er auch kein Trinkgeld.

Entwickelt wurde der Roboter von Mitarbeitern des Start-ups Teraki, das hier in Berlin seit sechs Jahren Software und Systeme für autonom fahrende Autos entwickelt und aktuell fünf Fahrzeuge in der Stadt im Einsatz hat. Nun will das etwa 50-köpfige Unternehmen aber erst einmal den Lieferverkehr revolutionieren und fängt beim Fahrradkurier an. „Es macht nicht viel Sinn, wenn ein 15 Kilogramm schweres Fahrrad und ein 80-Kilo-Fahrer benötigt werden, um 500 Gramm Pizza von A nach B bringen zu können“, sagt Geert-Jan van Nunen, Co-Chef von Teraki.

Teraki
Eines von fünf Autos, mit denen Teraki in Berlin Systeme für autonomes Fahren entwickelt.

Der Liefer-Roboter, den das Start-up zusammen mit dem Bestelldienst und der Burgergrill-Kette testet, ist laut Geert-Jan van Nunen der Anfang vom Ende des radelnden Boten. Kameras sowie Licht- und Radarsensoren versetzen die etwa 30 Kilogramm schwere Kiste auf Rädern in die Lage, Hindernisse, Fußgänger und auch die Signale an Fußgängerampeln zu erkennen. Dennoch fährt der Roboter nicht autonom. Noch wird er von Terakis Firmensitz in der Nähe des Lützowplatzes in Tiergarten aus ferngesteuert. Zudem wird er auf seiner Fahrt von einem Menschen begleitet. Doch mit jedem Meter bekommt die Künstliche Intelligenz des Roboters neue Nahrung, und der Roboter wird schlauer. „Wir sammeln Daten, mit denen er lernt, allein zu fahren“, sagt van Nunen.

Drei Monate sollen der Test und die Datensammlung laufen. Mit den Ergebnissen will Teraki dann einen neuen Roboter füttern, der 20 bis 50 km/h schnell und auf Radwegen oder auf der Straße unterwegs sein soll. Läuft alles nach Plan, will man bereits in diesem Herbst eine Lizenz für ein autonomes Fahrzeug beantragen. Damit, so Geert-Jan van Nunen, wäre Teraki dann als eines der ersten Unternehmen im Land am Start.