Im vergangenen Jahr leitete Berlins Staatsanwaltschaft 661 Verfahren wegen antisemitischer Straftaten ein, wie aus ihrem aktuellen Jahresbericht hervorgeht. Das sind 275 Verfahren mehr als vor zwei Jahren.

Dieser Trend ist beunruhigend. Vor allem, weil er nur die Spitze des Eisbergs zeigt. Die meisten Vorfälle bleiben entweder unter der Schwelle zur Strafbarkeit oder werden nicht angezeigt: Beleidigungen, Schmierereien, Äußerungen im Internet.

Die Erscheinungsformen des Antisemitismus sind vielfältig. Da gibt es natürlich den klassischen oder verkappten Rechtsextremisten, von dem nichts anderes zu erwarten ist, was gut für die offizielle Statistik des Bundesinnenministeriums passt. Gern übersehen wird  der „importierte Antisemitismus“, der sich 2021 wieder mal Bahn brach, als Tausende bei propalästinensischen Demos Israel als „Kindermörder“ bezeichneten. Wer mit Kippa oder Magen David durch Neukölln oder andere Stadtteile läuft, riskiert seine Gesundheit. Kürzlich verprügelte in Prenzlauer Berg ein Syrer einen britischen Kippa-Träger. Der Täter sei betrunken gewesen, hieß es danach.

Doch es gibt nicht nur den „importierten“, sondern auch den israelbezogenen Antisemitismus, der zum Teil in linken Kreisen blüht. Und bei Anhängern der BDS-Bewegung, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen fordert, um den jüdischen Staat weltweit zu isolieren: ­– „Kauft nicht beim Juden!“

Das Bedürfnis, die Juden für das Übel der Welt schuldig zu sprechen, durchzieht alle Schichten der Gesellschaft – vom rassistischen Stammtisch bis in die Universität. Es  schlummert in Menschen, die den Vorwurf empört zurückweisen würden, wenn sie gerade wieder von den „Strippenziehern im Hintergrund“, der „Finanzelite“ oder von der „globalen Elite“ gefaselt haben.

Was tun eigentlich unsere Schulen dagegen?