Berlin - Wie ein Stein, der ins Wasser fällt, lösen Texte Wellen aus. Erinnerungen und Emotionen kommen hoch, neue Gedanken entstehen, so auch durch meine Kolumne im Juni zum Sowjetischen Ehrenmal in Treptow. Ich hatte über die Bauzeit von 1946 bis 1949 geschrieben, von den schwierigen Arbeitsbedingungen der Menschen, die an der Gestaltung der Gedenkstätte zu Ehren der im Zweiten Weltkrieg gefallenen  Rotarmisten beteiligt waren. Davon erfuhr Eva Geffers von der ZeitZeugenBörse e.V. in Berlin und bittet nun Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Unterstützung. Zeitzeugen, die damals dabei waren und berichten können, werden gesucht.

Meine Kolumne hatte bei einigen Lesern positives Interesse geweckt, andere wiederum empfanden es als „pietätlos“, solche Informationen über den Friedhof für 7000 Soldaten zu erhalten. Ich meine, dass über alles, worüber Menschen nachdenken und sprechen, was sie erlebt und erlitten haben, auch gesprochen und geschrieben werden muss. Ereignisse und Orte sind es wert, aus allen Perspektiven betrachtet zu werden. Das ermöglicht innere Reifungsprozesse.

Genau das richtige Thema ist die Kolumne für die ZeitZeugenBörse. Dieser rührige Verein mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wissenschaftlich Versierten und historisch Interessierten kümmert sich seit 26 Jahren darum, dass wertvolle Erinnerungen nicht verloren gehen. Sie erklären ihre Arbeit so: „Wir fördern den Austausch zwischen den Generationen und schaffen eine Plattform für persönliche Erinnerungen. Diese Erinnerungen sind von unschätzbarem Wert für das kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft.“

Bei öffentlichen Veranstaltungen und vor Schulklassen erinnern sich die Referentinnen und Referenten an ihre Zeit im Nationalsozialismus, während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, an Flucht, Mauerbau und Mauerfall, einfach an alles, was sie erlebt haben. Eva Geffers erzählt, dass selbst Online-Vorträge oft hohe Wellen schlügen, Resonanz selbst auf anderen Kontinenten finden.

Die Anfrage eines amerikanischen Professors hatte die Anregung für das Thema gegeben. Nun sucht der Verein Zeitzeugen, die ihre Erfahrungen über die Bauzeit des Ehrenmals teilen. Diese sollen in den Broschüren des Vereins veröffentlicht werden. Und natürlich auch hier, in der Berliner Zeitung.

Schreiben Sie uns bitte: leser-blz@berlinerverlag.com