Der Bebelplatz in Mitte als Park? So viel Grün? Im Jahr 1909 gönnte  sich die gehobene (und gebildete) Berliner Schicht, die hier zwischen Universitätsgebäuden, Oper und  Palästen wechselte,  den erholsamen, wohlgepflegten Grünraum mit Kaiserin-Augusta-Denkmal.

Als im Mai 2019  die  Umweltverwaltung ihre Pläne für das Berliner Stadtgrün bekanntgab, sagte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow: „Es geht um nicht weniger, als darum, Berlin als grüne Metropole zu erhalten“.  Er sprach unter anderem über begrünte Neubaudächer und die Entsiegelung  betonierter Flächen. Jeder  Bezirk soll e einen großen „Naturerfahrungsraum“ erhalten.

Schaut man auf dieses Bild, kommt einem der heute ganz und gar steinerne Bebelplatz als geeignete Entsiegelungs- und stadtklimafreundliche  Begrünungsfläche vor.

Ab 1743 trug das  Karree den Namen Platz am Opernhaus, ab 1910 Kaiser-Franz-Joseph-Platz (nach dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I., Gatte der umschwärmten „Sissi“). 1928 wurden die Grünanlagen auf dem Platz beseitigt, ein mit Granitsteinen gepflasterter Parkplatz passte zum beginnenden Umbau Berlins zur autogerechten Stadt.

Auf der steinernen Freifläche verbrannten am 10. Mai 1933 etwa  70 000 Studenten, Professoren und Mitglieder der SA und SS  Bücher von als „undeutsch“ bezeichneten Autoren. Seit 31. August 1947 trägt der Platz den Namen des Mitbegründers und Führers der deutschen Sozialdemokratie August Bebel (1840–1913).

Friedrich der Große hatte den Platz, das Forum Fridericianum 1774  anlegen lassen. Er erteilte auch den Auftrag, gegenüber der Oper eine Königliche Bibliothek zu bauen, die anders als bis dahin nicht nur Adeligen, Ministern, Wissenschaftlern und höheren Staatsbeamten vorbehalten sein sollte, sondern dem  bildungshungrigen Bürgertum. In diesem Sinne ließ er dem Portal die lateinischen Wörter: „nutrimentum spiritus“ anbringen – auf deutsch : „geistige Nahrung“).

Die Ähnlichkeit zwischen dem Michaelertrakt der Wiener Hofburg und dem Berliner Bau ist auffällig und durchaus kein Zufall. Friedrich hatte seinerzeit bereits 50 Jahre alte, aber bis dahin nicht umgesetzte österreichische Entwürfe als Kupferstiche gesehen, und sie hatten ihm ausnehmend gut gefallen. Daher beauftragte er seine Architekten, einen Bau nach diesen Vorlagen zu errichten. Das barocke Gebäude entstand zwischen 1775 und 1780, den Berliner Grundstücksverhältnissen angepasst.  Die Berliner nannten ihn wegen der geschwungenen Form  bald durchaus treffend  „Kommode“.

Kurioserweise entstand schließlich auch in Wien ein Bau nach den alten Vorlagen – mehr als hundert Jahre später und üppiger ausgestattet.

Im Jahr 1784 zogen die 150 000 Bände der Königlichen Bibliothek zu Berlin in den großzügigen Neubau um. Doch die Bestände wuchsen,  1905 zählte man etwa 1,2 Millionen Bände. 1914 zogen sie  in den Neubau  Unter den Linden 8 um – seit 1918  Preußische Staatsbibliothek geheißen.
Die Alte Bibliothek richtete man als Universitätsgebäude mit Hörsälen her. Nach Brandschäden im Krieg und Rekonstruktionen in den 1960ern zog die juristische Fakultät der Humboldt-Universität ein.