BerlinDer  Shuttle-Bus von Bernd Zeuner steuert das Terminal des neuen Hauptstadtflughafens am Vormittag an.  Fahrgäste hat er noch nicht an Bord. Aber das wird schon, ist sich der 53-Jährige sicher.  Er glaubt an den Erfolg des BER, der an diesem Sonnabend eröffnet. Er sagt, dieser Flughafen sei schon „eine schöne Sache“. Ein paar Meter weiter sieht man das ganz anders. Denn dort formiert sich der Protest gegen den BER. 

Einige Hundert Klima-Aktivisten protestieren in Pinguin-Kostümen lautstark gegen die Inbetriebnahme des Airports. Sie blockieren die Zufahrt auf der ersten Ebene des Terminal 1. „No BER“ haben sie auf silberfarbene, aufblasbare Würfel geschrieben. Auf einem Transparent ist zu lesen: „BER: Blockieren, Einstellen, Recyclen.“ Aufgerufen zu den Protesten hatte die Initiative „Am Boden bleiben“.

Der Aktion ging ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Brandenburger Polizei voraus. Die Blockade selbst sorgt für Aufmerksamkeit, etliche Reporter und Kamerateams mischen sich unter die Demonstrierenden. Auch wenn es an dieser Stelle noch nichts zu blockieren gibt, weshalb die einzelnen Pinguin-Grüppchen einen Vertreter in eine Lagebesprechung vor Ort entsenden.

Lena Tucnak, Sprecherin der Inititative, bezeichnet die Flugindustrie als „Brandbeschleuniger der Klimakrise“. Sie fordert: „Wir brauchen klimafreundliche Alternativen und keine Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert.“ Die Aktion sei „ziviler Ungehorsam“, der dafür sorgen solle, „dass der BER auch weiterhin nicht in Betrieb gehen kann“.

Die Aktivisten skandieren: „Climate justice now.“ Und als sich ein Demonstrant von Robin Wood vom Dach des Terminals abseilt, um ein Transparent zu entrollen, rufen die Pinguine rhythmisch im Chor: „Du bist nicht allein!“ Tatsächlich sichern Polizeibeamte den Aktivisten mit einer Leine.

Zur selben Zeit werden rund 50 Frauen und Männer von der Polizei auf die zweite Außenebene des Terminals begleitet. Es sind Flughafengegner, die jahrelang gegen den Bau des BER protestiert haben, die eine Mahnwache angemeldet habe. „Wir wissen natürlich, dass wir die Eröffnung nicht mehr verhindern können. Darum geht es uns heute auch gar nicht“, sagt Markus Sprißler. Er ist der Sprecher des Aktionsbündnis Berlin-Brandenburg.

Sprißler ist aus Großbeeren nach Schönefeld gekommen, um auf die Nöte der vom Fluglärm betroffenen Anwohner aufmerksam zu machen. „Es geht darum, dass der Schallschutz konsequent umgesetzt wird“, erklärt der 53-jährige NC-Technologe. Bisher seien nur 1963 betroffene Haushalte in den Genuss von Schallschutzmaßnahmen gekommen. „Von 26.000 Betroffenen“, sagt Sprißler. Zudem hoffe man noch, dass es zwischen 22 und 6 Uhr ein Nachtflugverbot am BER geben werde - so wie es Bürgerinitiativen deutschlandweit für Flughäfen fordern. Auch wolle man, dass die Werte des vom Flugverkehr produzierten Ultrafeinstaubs öffentlich gemacht werden. Derzeit gebe es dafür zwei Messstellen am BER.

Auf der zweiten Ebene des Terminalzugangs entrollen die Flughafengegner Transparente, auf einem ist ein Zitat der SPD zum neuen Flughafen zu lesen: „Ich bin ein Erfolgsprojekt.“ Die Demonstranten beginnen nun ein Schauspiel, bei dem sie die Akteure des Flughafenbaus spielen: Diepgen, Wowereit, Platzeck, Mehdorn, Lütke Daldrup, und und und. Zwischendurch schlägt ein als Luther verkleidetet Mann - schließlich ist in Brandenburg Reformationstag - sieben Thesen an eine Tür: Falscher Standort, falsches Zeugnis, Habgier, Neid, Hochmut, Trägheit, Verantwortungslosigkeit. All das, so sagt es Markus Sprißer, habe es bei denen gegeben, die den Flughafen zu verantworten haben. Kurz darauf vereinen sich die Demonstrierenden - rund 300 sind es mittlerweile.

Der Regen hat aufgehört, als es vor dem Terminal sehr laut wird. Berliner Taxifahrer nehmen die Eröffnung des Flughafens zum Anlass, um mit einem Hupkonzert gegen die neuen Regeln am BER zu protestieren. „Es sind etwa 2000 Fahrzeuge in der Kolonne“, sagt Mergün Özgür, der in einem der ersten ankommenden Fahrzeuge sitzt. „Wir protestieren heute hier, weil in Zukunft nur 300 Berliner Taxifahrer Fahrgäse laden dürfen“, sagt er. 7000 weitere  Taxifahrer müssten draußen bleiben. Das bedeute, man komme mit Fahrgästen am BER an, müsse aber wieder leer zurückfahren. „Das können wir nicht hinnehmen.“