Immer mehr Wildtiere zieht es in die Stadt. 
Foto: dpa/Heikki Saukkomaa/Lehtikuva

BerlinKurz nach 2.00 Uhr taucht der Fuchs tatsächlich auf. Zwischen geparkten Autos steht er da im gelben Schimmer der Straßenlaternen in Berlin-Kreuzberg und schaut sich aufmerksam um. Langsam kommt er heran. Als er nah genug ist, gibt uns der Fotograf, mit dem wir nur kurz hier in der Heimstraße gewartet haben, das Signal, den Auslöser an unserer Kamera zu betätigen.

Er kennt den Fuchs genau: Jede Nacht drehe das Tier in der Straße im Bergmannkiez seine Runde, berichtet der 33-Jährige, der seinen Namen nicht verraten möchte, am Tag darauf. Seitdem er in der Heimstraße wohnt, sei er dem Fuchs täglich begegnet. „Füchse sind edle Tiere“, sagt der Fotograf.

„Sie sind nicht mehr Jäger, sondern Sammler“

Seine Liebe für diese Tiere und seine spezielle Beziehung zu dem Fuchs in seiner Straße hält der Fotograf seit Ende Mai im Bild fest und veröffentlicht die Aufnahmen auf dem Instagram-Account „Der Bergmannfuchs“. Profi-Fotograf ist der 33-Jährige allerdings nicht. Er hat Motion Design in Berlin studiert. 2013 zog der gebürtige Düsseldorfer für sein Studium in die Bundeshauptstadt; seit zweieinhalb Jahren lebt er an der Bergmannstraße, die für ihr Flair bekannt und beliebt ist.

Der Fuchs war von Anfang an sein täglicher Begleiter. Die Idee, ihn zu fotografieren, kam ihm aber erst diesen Sommer, als das Tier jede Nacht unter seinem Balkon saß. Kurzerhand schnappte er sich seine Kamera und machte gleich Dutzende Fotos.

Füchse gehörten in Berlin inzwischen fest ins Stadtbild, sagt Derk Ehlert, Wildtierexperte der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Über eintausend Tiere lebten in der Stadt und hätten sich an ihr neues Umfeld angepasst. „Sie sind nicht mehr Jäger, sondern Sammler“, sagt Ehlert.

Ihre Nahrung holten sie sich unter anderem aus Mülleimern und Fressnäpfen von Katzen. Ein Grund, warum die Füchse in der Stadt leben, ist, dass sie dort nicht gejagt werden. Dafür lauerten in den Vierteln der Stadt andere Gefahren wie Autos und Hunde – doch damit könnten die erwachsenen Tiere umgehen.

Kritik an Fütter-Bildern

Die Idee mit dem Instagram-Account kam von seinem Bruder, berichtet der Fotograf. Seit dem ersten Bild Ende Mai haben fast 2700 User seinen Account abonniert. Die Reaktionen auf die Fotos seien überwiegend positiv gewesen – vor allem den Gastronomen im Kiez gefielen die Bilder. Der Fotograf kenne seine Nachbarschaft nun auch viel besser.

Allerdings gab es auch Kritik: Auf einem Foto ist zu sehen, wie eine Hand einem Fuchs ein Ei entgegenstreckt, auf einem weiteren schnappt sich ein Fuchs ein Ei aus einer Packung. Das Füttern der Tiere ist eigentlich verboten – das ist auch dem Fotografen nun bewusst. Die Bilder seien spontan entstanden.

Auch wenn Begegnungen zwischen Mensch und Tier sich nicht vermeiden lassen, rief Ehlert dazu auf, die Füchse in Ruhe zu lassen. Sonst bestehe die Gefahr, gebissen zu werden. „Die Tiere sollten nicht gefüttert werden und brauchen das auch nicht“, sagt er. Ein Fuchs, dessen Rippen sichtbar sind, sei nicht unterernähert. Zu dem Instagram-Account sagt Ehlert, dass die Menschen durch Corona aufmerksamer für die Tiere und die Pflanzen in der Stadt geworden seien. Ob der Fuchs im Bergmannkiez etwas von seiner neuen Berühmtheit merkt? Ehlert: „Dem Tier ist das vermutlich egal.“