Eric Wrede sieht nicht aus, wie man sich einen klassischen Bestatter vorstellt. Er ist tätowiert und kommt in Jeans und T-Shirt zum Gespräch. Der 36-Jährige ist ein Quereinsteiger in der Branche und versucht einen anderen Ansatz bei der Trauerarbeit. Im Interview spricht Wrede, der ursprünglich in der Musikbranche tätig war, über den Wunsch nach individuellen Bestattungen, den Abschied als Lernprozess und die Frage nach den Preisen einer Bestattung.

Herr Wrede, Sie sind noch recht jung. Wie wird man da Bestattungsunternehmer?

Ich habe mir im Alter von 30 Jahren – ganz klischeehaft – die Sinnfrage über mein Leben und meine Zukunft gestellt und habe erst einmal keine Antwort darauf gefunden, was ich mit meiner „restlichen“ Zeit anstellen möchte. Dann hat mir aber der Zufall geholfen. Ich lag nachts wach und ging im Kopf die Liste von Berufen durch, die für mich in Frage kämen und hörte dabei zufällig im Radio ein Interview mit einem alt-ehrwürdigen Bestatter aus Bergisch-Gladbach, der ein wenig als Pionier der etwas offeneren Bestattungen gilt und plötzlich machte es Klick.

Entschuldigung, was machte da Klick?

Es passte einfach komplett auf meine Liste. Alles, was er erzählte: Dass es ein sehr personenbezogener Beruf ist und dass man in diesem Berufsfeld noch viel verändern kann. Denn es gibt sicherlich keine Berufsgattung, die so konservativ ist, wie die der Bestattung. Und ¬ was auch auf meiner Liste eine Priorität war – man hilft anderen Menschen in akuten Situationen. Ich begreife diesen Beruf heute so: Ich kann den Tod nicht ändern, aber ich kann den Abschied verändern. Das war der Antrieb damals.

Was ist an dem Abschied, was Sie anders machen?

Mir geht es immer um die Perspektive, derer, die bleiben. Viele Trauerfeiern, die ich gesehen habe waren nicht gut. Die waren alle sehr institutionalisiert, als ob es dafür so eine Art kleines Regelbuch gibt, nachdem das zu passieren hat und was sich bei mir als Roter Faden durch meine Arbeit zieht, ist, dass ich am Anfang einfach nur zuhöre, was die Angehörigen sagen.

Das ist aber schon mehr eine Art der Trauerbegleitung?

Ja, so verstehe ich das auch. Mein Ziel ist es zu verstehen, was die Angehörigen wirklich wollen und den Abschied so angenehm wie möglich zu gestalten.

Das klingt nun, wenn ich ehrlich sein darf, etwas nebulös.

Konkreter bedeutet das, dass es wenig Bestatter gibt, die so arbeiten wie wir, Ganz oben steht zum Beispiel der Zeitfaktor, so viel Zeit, wie ich mit Hinterbliebenen verbringe, wird ein normaler Bestatter nicht aufwenden. In der Regel hat man ein Gespräch von ein bis zwei Stunden, in dem alles geklärt wird, und vielleicht noch ein Telefonat. Und dann sieht man sich wieder zur Trauerfeier. Ich würde mit Ihnen, sollte es der Fall sein, erst einmal einen Kaffee trinken gehen und hinhorchen, versuchen, den Druck von Ihnen zu nehmen. Also klar machen, dass es gar nicht so viel zu tun gibt, wie man erst einmal denkt.

Sind die Leute denn nicht froh, dass das alles recht institutionalisiert ist?

Bestimmt gibt es auch solche Leute, meine Kunden wollen aber in der Regel partizipieren. Es geht doch darum, etwas fassbar zu machen. Jemand ist „gegangen“, das muss man verarbeiten. Ich finde, so eine Bestattung sollte Teil eines Prozesses sein – und zwar für diejenigen, die bleiben.