Der Berliner Senat rechnet bis 2024 mit rund 87.000 zusätzlichen Schülern

Selten erfährt Berlin öffentliches Lob, wenn es um seine Schulen geht. Die Bertelsmann-Stiftung stellt in ihrer neuen Studie immerhin fest, dass Berlin sich anders als die anderen Bundesländer bereits seit Jahren auf massiv wachsende Schülerzahlen einstellt. „Einige Städte stellen sich bereits der Realität“, heißt es dort anerkennend.

„In Berlin rechnet der Senat mit fast 87.000 zusätzlichen Schülern bis zum Schuljahr 2024/25 und hat Planungen für neue Schulgebäude aufgenommen.“ Allein an den allgemeinbildenden Schulen wird die Schülerzahl um ein Fünftel zunehmen, konkret um 73.000 Schüler. Besonders viele zusätzliche Räume und Neubauten benötigen die boomenden Bezirke Pankow und Lichtenberg.

Tatsächlich ist die Situation ziemlich dramatisch: Der Senat hat sich vorgenommen, eilig die Planungs- und Bauzeit von neuen Schulstandorten um die Hälfte zu reduzieren. „Es müssen nicht nur über 40 Schulneubaumaßnahmen in Angriff genommen, sondern auch vorhandene Plätze erhalten werden“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Etliche Schulen werden in den kommenden Jahren nämlich bei laufendem Betrieb saniert.

Eltern fürchten Qualitätsverlust

Klappt es nicht mit der Schulbauoffensive, läuft Berlin Gefahr, in einigen Jahren angesichts der steigenden Schülerzahlen gar nicht mehr genug Plätze anbieten zu können. Wenn ein Stadtstaat wie Berlin der Schulpflicht nicht mehr gerecht werden könnte, wäre das ein ähnlicher Aufreger wie das BER-Desaster, warnen nachrangige Mitarbeiter der Bildungsverwaltung bereits hinter vorgehaltener Hand.

Mit neuen Strukturen, die aber aufgrund von Differenzen innerhalb des rot-rot-grünen Senats noch nicht völlig geklärt sind, will man Schulen neu bauen, aber auch den Sanierungsstau von gut vier Milliarden Euro auflösen. Eine Landesgesellschaft unter dem Dach der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge soll spätestens in zwei Jahren größere Schulneubauvorhaben umsetzen.

Das ist praktisch, denn für die Howoge gilt die ab 2020 greifende Schuldenbremse nicht. Und die Bezirke sollen sich bei mittelgroßen Sanierungsvorhaben zusammentun, damit nicht wieder Gelder verfallen. Eine Task Force, der Vertreter alle Akteure angehören, soll künftig die Priorität der Bauvorhaben festlegen. Kritiker sind skeptisch, ob das am Ende nicht eher zu Verzögerungen führt. Aus Sicht von Elternvertretern droht ein Verlust von pädagogischer Qualität, wenn Klassen immer größer werden, Horträume aufgegeben werden und auch Brennpunkt-Schulen keine kleineren Lerngruppen mehr einrichten können.