Das „Urban Jungle“-Muster auf dem Berlkönig-Wagen kennen BVG-Nutzer von den Sitzbezügen. Die BVG betreibt die Rufbusse seit dem Herbst 2018.
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BerlinEin Mittelding zwischen Sammeltaxi und Rufbus – das ist der Berlkönig, der seit 2018  unterwegs ist. Bislang beschränkt sich der Fahrdienst aber auf die östliche Innenstadt. Doch das könnte sich ändern. Der Senat prüft, ob das Einsatzgebiet erweitert wird.

„Im Fokus steht dabei eine eventuelle weitere Erprobung in Gebieten und zu Zeiten, in denen der reguläre Nahverkehr Defizite aufweist“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Sie sind unübersehbar, die mehr als hundert Berlkönige. Auf dem schwarzem Lack der Wagen leuchtet ein chaotisches Muster in Rot, Hell- und Dunkelblau namens „Urban Jungle“, das BVG-Nutzer von vielen Sitzbezügen kennen.

BVG möchte Zuschuss vom Land

In der Tat ist das Landesunternehmen am „Rufbus des 21. Jahrhunderts“ (Werbung) beteiligt. Partner ViaVan, eine Firma des US-Start-ups Via und von Mercedes-Benz, steuert die Software bei, stellt das Fahrpersonal und die Fahrzeuge – die den Mercedes-Stern tragen. Geplant ist, dass die Flotte spätestens Ende 2020 komplett elektrisch unterwegs ist.  

Fahrgäste, die ähnliche Ziele ansteuern, werden gemeinsam befördert. Die Fahrzeuge verkehren nach Bedarf. Wer den Dienst nutzen will, bucht per App einen Platz. Ein Computer koordiniert die Fahrtwünsche und stellt die Routen zusammen. Ziel ist es, dass sich möglichst viele Fahrgäste Autos teilen – das senkt die Kosten. Ride Sharing und Ride Pooling sind die Stichworte.

„Atypischer Linienverkehr“

Fahrten im Berlkönig sind billiger als mit dem Taxi. Pro Kilometer werden 1,50 Euro berechnet. Mindesttarif: vier Euro. Das Ein- und Aussteigen ist ausschließlich an 621 Bus- und 4423 virtuellen Haltestellen möglich. Rechtlich gilt der Berlkönig als „atypischer Linienverkehr“ – so hat ihn das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten genehmigt. Basis ist die Experimentierklausel im Personenbeförderungsgesetz, die bis zu vierjährige Versuche ermöglicht.

Doch die BVG-Strategen wollen es nicht bei dem Experiment belassen, sondern den neuen Fahrdienst ausbauen und dauerhaft betreiben. Das soll mögliche Konkurrenten wie Uber abschrecken. „Wir würden mit dem Berlkönig gern in den Westen bis zur Messe und im Osten bis zum Tierpark fahren“, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta der Berliner Zeitung.

Komfortzuschlag wird fällig

„Wir sprechen auch darüber, ob der Berlkönig in den neuen Verkehrsvertrag mit dem Land, der ab 2020 gilt, übernommen wird. Unser Ziel ist es, dass er ein reguläres BVG-Angebot wird, das sich als Teil der Daseinsvorsorge auf das gesamte Berliner Stadtgebiet erstreckt, auch auf die Außenbezirke.“ Nötig sei aber, dass sich das Land Berlin finanziell beteiligt. Derzeit trägt ViaVan das Defizit. Der Berlkönig soll Bestandteil des Nahverkehrs werden, „und Nahverkehr ist nicht kostendeckend“, so Nikutta. „Die Vorstellungen der BVG werden geprüft und mit den Partnern in der Koalition abgestimmt“, sagte dazu Verwaltungssprecher Thomsen.

Der Senat habe noch nicht abschließend bewertet, wie er das Ride Pooling sieht. Eine Ausweitung des Gebiets wird aber nicht abgelehnt. Der Nahverkehrsplan listet Bereiche auf, die für Rufbusse infrage kämen. Dazu zählen  Mahlsdorf-Süd/Waldesruh, die Wohnviertel rund um den U-Bahnhof Magdalenenstraße in Lichtenberg sowie der Bereich zwischen Boddinstraße und S-Bahn.

Mehr als 300 Betriebe gaben auf  

Wie berichtet ist geplant, den Berlkönig BC, ein Rufbusangebot für Stadtrandgebiete, auch zwischen Heiligensee und Tegel fahren zu lassen.

Das Angebot mit der Liniennummer 323 soll im Februar starten. Für jede Fahrt wird ein Komfortzuschlag von 50 Cent fällig. Zwischen Rudow und Schulzendorf fährt der Berlkönig BC bereits, testweise bis Ende 2020. Die Taxibranche sieht den Berlkönig skeptisch. Es handele sich um ein subventioniertes Angebot, das Taxibetreibern, die keine Zuschüsse erhalten, Konkurrenz macht, sagte Taxiunternehmer Richard Leipold.

„Wie lange dauert es, bis alle Ersparnisse der Taxibetriebe aufgebraucht sind?“, fragte er. „2018 haben sich 305 Taxibetriebe aus dem Markt zurückgezogen, mehr als zehn Prozent des Bestandes.“ Auch Pleiten seien zu befürchten – „bis ein verlässliches Angebot nicht mehr möglich ist“.