Es regnet, die durch die Straßen hastenden Menschen haben ihre Schirme aufgespannt. Aus der grauen Masse ragt keck ein leuchtend blauer Regenschirm hervor – und verliebt sich in sein rotes Pendant. Doch, oh Schreck, sie werden vom Sturm auseinandergerissen! Und trotz aller Hilfe durch die plötzlich belebte gegenständliche Welt – Briefkästen, Baustellenabsperrungen oder Lüftungsschächte versuchen das Schicksal zu Gunsten der Verliebten zu beeinflussen – treibt es sie zunächst auseinander.

„Der blaue Regenschirm“ heißt dieser charmante fotorealistische Kurzfilm, der im Vorprogramm des im Sommer startenden Pixar-Films „Die Monster Uni“ zu sehen sein wird. Anlässlich seiner Premiere im Generation-Programm der Berlinale treffen wir den Regisseur Saschka Unseld – einen Deutschen, dessen Traum, anspruchsvolle Animationsfilme machen zu wollen, in den USA in Erfüllung ging. 2008 gelang ihm der Einstieg bei Pixar – und das sei vollkommen undramatisch gewesen, erzählt Unseld, er habe sich einfach auf eine Stellenanzeige beworben. Zwei Interviews später hätte er eben die Zusage bekommen, seither lebt und arbeitet er in Kalifornien.

Zuvor hatte Unseld, der über die Special Effects zur Animation kam, ein Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg absolviert und zusammen mit anderen Animatoren das SOI-Studio („Der Grüffolo“) gegründet. In dem stark arbeitsteiligen Pixar-Studio sitzt er nun normaler Weise in der Layoutabteilung, also an jener Stelle, an der Figuren und Sets im Computer zusammengefügt werden, oder, wie Unseld es ausdrückt, die zeitliche Ebene erstmals sichtbar wird.

Bis ins kleinste Detail stimmig

Wie ist das für einen, der sich – wie er selbst sagt – eigentlich für alles interessiert, in so einem großen Getriebe zu arbeiten, also jeweils nur ein kleines Detail des Ganzen zu verantworten? Das habe natürlich sein Vor- und Nachteile, sagt der Regisseur, der nebenher immer noch kleine individuelle Projekte vorantreibt. Die Möglichkeit, die dieser etwas schwerfällige Apparat aber biete, sei die Perfektion. Absolute Perfektion sei gerade im computergenerierten Animationsfilm unerlässlich, alles handgemacht Aussehende wirke hier eben nicht charmant, sondern unglaubwürdig. Gerade im digitalen Animationsfilm, der komplette Welten erfinden und gestalten könne, müsse erzählerisch, bildnerisch und klanglich alles bis ins kleinste Detail stimmig sein, um den Zuschauer in diese magische Welt entführen zu können. Und sei es nicht tatsächlich ein Wunder, dass wir uns in die Seele eines Schirms einfühlen könnten?

Eine Übertragung, die in „Der blaue Regenschirm“ offensichtlich funktioniert. Ein sehr junger Kinoneuling fängt bei der Vorführung im Haus der Kulturen der Welt furchtbar an zu weinen, als der Schirm schmutzig und verbogen im Rinnstein landet. Zur großen Bestürzung des Regisseurs, der inständig hofft, dass dieser kleine Zuschauer nun nicht gleich traumatisiert worden sei. Es sei hier versichert, es geht alles gut aus!