Er will ins Rote Rathaus: Kai Wegner tritt für die CDU an.
Foto: Sven Darmer

BerlinDer Ort der Pressekonferenz ist mit Sinn für Symbolik gewählt, der Inhalt damit aber auch schon bekannt gemacht. Im Radisson Blu Hotel in Mitte wird der CDU-Vorsitzende Kai Wegner am Freitag bekannt geben, dass er Regierender Bürgermeister werden will. Der Saal im 7. Stock soll einen schönen Blick aufs Rote Rathaus haben. Ob es beim begehrlichen Blick bleibt oder mehr daraus wird, werden die nächsten zwölf Monate zeigen.

Wegner ist jedenfalls nach Bettina Jarasch von den Grünen der zweite Bürgermeisterkandidat, der bereits feststeht und entsprechend durchstarten kann. Die SPD-Politikerin und Bundesministerin Franziska Giffey gilt zwar ebenfalls als gesetzt, aber sie muss Ende Oktober erst einmal Landesvorsitzende ihrer Partei werden. Die Ausrufung ihrer Spitzenkandidatur wird für Dezember erwartet.

Wegner wird bis dahin vermutlich alles versucht haben, um sich schon mal ins Gespräch zu bringen. Der Spandauer ist zwar ehrgeizig, aber in der Stadt dennoch weithin unbekannt. Laut dem aktuellen Berlin-Trend von Infratest dimap glaubten nur neun Prozent der Befragten, dass er einen guten Bürgermeister abgeben würde. Schlimmer noch: 61 Prozent gaben an, dass sie ihn nicht kennen oder nicht beurteilen könnten. Viel Luft nach oben also.

Der 48-Jährige hat allerdings in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er sich durchsetzen kann, jedenfalls innerparteilich. Im Mai vergangenen Jahres löste er nach einem Machtkampf die Kulturstaatsministerin Monika Grütters ab und wurde Landesvorsitzender der CDU. Danach versetzte er die eigene Partei in Erstaunen, weil er den Generalsekretär Stefan Evers – einen engen Vertrauten Grütters’ – im Amt behielt und so nach den Personalquerelen wieder ein bisschen zur innerparteilichen Befriedung beitrug.

Evers ist Wegners eigener Nachfolger im Amt des Generalsekretärs, das dieser von 2011 bis Dezember 2016 innehatte. Nach der Wahl von Monika Grütters trat er zurück, um einem Neuanfang nicht im Wege zu stehen, wie es damals hieß. Die Wahl zum Landesvorsitzenden dürfte daher eine besondere Genugtuung für ihn gewesen sein.

Rechts gestartet, in der Mitte angekommen

Was jetzt aber nicht heißt, dass er unbedingt auf Schmusekurs mit Parteifreunden geht, wenn sie ihm im Weg stehen. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger kann davon jetzt ein Lied singen. Ihm hat Wegner in den vergangenen Monaten mehr als einmal die Oppositionsrolle aus der Hand genommen.

Dabei sitzt Wegner seit 15 Jahren im Bundestag. Er ist baupolitischer Sprecher seiner Partei, allerdings ohne besonders aufzufallen. Das Mandat hat er für Spandau inne, aber nicht als direkt gewählter Abgeordneter. Er zog über die Landesliste ein. Ob er Wahlen gewinnen kann, wird sich also erst noch zeigen müssen. Um mehrheitsfähig zu werden, hat Wegner aber schon einiges getan. Der ehemalige Rechtsausleger seiner Partei, der nach eigenen Aussagen den legendären CDU-Hardliner Heinrich Lummer verehrte, hat in den vergangenen Jahren zu moderateren Tönen gefunden. Er ist für die Ehe für alle und sagt jedem, der es wissen will, dass in der CDU mehr Frauen in die Spitzenpositionen kommen müssen. Deren Anteil im Vorstand ging nach seiner Wahl allerdings erst einmal zurück.

Die Politik des rot-rot-grünen Senats kritisiert er zwar ebenso vehement wie Dregger, aber sachlicher als dieser. Mit Antje Kapek von den Grünen duzt er sich. Man geht kollegial miteinander um. Das muss nichts heißen, ist aber schon mal ein Anfang. Für die CDU ist Wegner jedenfalls ein Vorsitzender, der sich mehr um die Partei kümmert als Monika Grütters zu ihrer Zeit. Ob es für mehr reicht, entscheiden im nächsten Jahr die Wählerinnen und Wähler.